1964 | 2014

Projekte zum 50-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Filmmuseums

Ephemere Filme:
Nationalsozialismus in Österreich

Das Österreichische Filmmuseum besitzt eine einzigartige Sammlung „ephemerer“ Filme (wie Amateurfilme, Werbefilme oder Schulungsfilme), die den Aufstieg der NSDAP ab 1932, das Alltagsleben jüdischer Familien vor der Vertreibung und Vernichtung, den „Anschluss“ Österreichs im März 1938 und die Kriegsjahre 1941-42 dokumentieren.
 
Sie zeigen rohere und in vielfältiger Weise andere Bilder als die vom NS-Regime streng kontrollierten Wochenschaufilme, die bis heute die visuelle Darstellung der Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich prägen. Durch ihren spezifischen Charakter enthalten diese ephemeren Filme das Potential, diese Geschichte nicht nur zu ergänzen, sondern zu korrigieren.
 
Bei den meisten dieser Filme handelt es sich um Unikate, die zum Teil in Form von leicht brennbarem Nitrofilm oder in mittlerweile „obsolet“ gewordenen Formaten wie 9,5mm Film vorliegen und von akutem Verfall bedroht sind. Aus konservatorischen Gründen waren sie bisher für die Öffentlichkeit und für Forschungs- und Vermittlungsarbeiten nicht oder nur eingeschränkt zugänglich.
 
Das nun begonnene internationale Projekt Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich, das in Zusammenarbeit zwischen dem Filmmuseum, dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte und Gesellschaft in Wien und dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. durchgeführt wird, hat die systematische Sicherung, Erschließung und Auswertung von rund 50 Filmen zum Ziel.
 
Nach höchsten konservatorischen Standards werden die Filme zuerst sowohl in digitaler als auch in analoger Form aufwändig gesichert, damit sie in Zukunft in vielfältiger Weise verwendet werden können: analog für ihre Langzeitarchivierung und für ihre materialgerechte Präsentation auf der Kinoleinwand; digital, um die weiteren Ziele des Projekts zu erfüllen. Nach ihrer wissenschaftlichen Erschließung und Auswertung werden die Filme der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht: in einer eigens entwickelten, neuartigen Webapplikation, die auch im Schulunterricht eingesetzt werden kann.
 
Mit seinen archivarischen, wissenschaftlichen und pädagogischen Zielen versteht sich das Projekt als ein wichtiger Beitrag zur visuellen Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich. Das Filmmuseum und das United States Holocaust Memorial Museum haben ihre Kooperation durch eine feierliche Vertragsunterzeichnung besiegelt, die am 10. September 2011 in der Residenz des US Botschafters stattfand.
 
Das Projekt Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich wird gefördert aus Mitteln des Zukunftsfonds der Republik Österreich.
 
Projektleitung: Michael Loebenstein, Ingo Zechner
 
Kooperationspartner:
Österreichisches Filmmuseum
 
Kontakt:
Dr. Ingo Zechner
Amateuraufnahme Wien, Frühjahr 1938