Ephemere Filme:
Nationalsozialismus in Österreich
Das Österreichische Filmmuseum besitzt eine einzigartige Sammlung ephemerer Filme (wie Amateurfilme, Werbefilme
oder Schulungsfilme), die den Aufstieg der NSDAP ab 1932, das Alltagsleben jüdischer Familien vor der Vertreibung und Vernichtung,
den Anschluss Österreichs im März 1938 und die Kriegsjahre 1941-42 dokumentieren.
Sie zeigen rohere und in vielfältiger Weise andere Bilder als die vom NS-Regime streng kontrollierten Wochenschaufilme, die
bis heute die visuelle Darstellung der Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich prägen. Durch ihren spezifischen Charakter
enthalten diese ephemeren Filme das Potential, diese Geschichte nicht nur zu ergänzen, sondern zu korrigieren.
Bei den meisten dieser Filme handelt es sich um Unikate, die zum Teil in Form von leicht brennbarem Nitrofilm oder in mittlerweile
obsolet gewordenen Formaten wie 9,5mm Film vorliegen und von akutem Verfall bedroht sind. Aus konservatorischen
Gründen waren sie bisher für die Öffentlichkeit und für Forschungs- und Vermittlungsarbeiten nicht oder nur eingeschränkt
zugänglich.
Das nun begonnene internationale Projekt Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich, das in Zusammenarbeit zwischen dem Filmmuseum, dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte und Gesellschaft in Wien und
dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. durchgeführt wird, hat die systematische Sicherung, Erschließung
und Auswertung von rund 50 Filmen zum Ziel.
Nach höchsten konservatorischen Standards werden die Filme zuerst sowohl in digitaler als auch in analoger Form aufwändig gesichert, damit sie in Zukunft in vielfältiger Weise verwendet werden können: analog für ihre Langzeitarchivierung und für ihre materialgerechte Präsentation auf der Kinoleinwand; digital, um die weiteren Ziele des Projekts zu erfüllen. Nach ihrer wissenschaftlichen Erschließung und Auswertung werden die Filme
der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht: in einer eigens entwickelten, neuartigen Webapplikation, die auch im Schulunterricht
eingesetzt werden kann.
Mit seinen archivarischen, wissenschaftlichen und pädagogischen Zielen versteht sich das Projekt als ein wichtiger Beitrag
zur visuellen Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich. Das Filmmuseum und das United States Holocaust Memorial Museum
haben ihre Kooperation durch eine feierliche Vertragsunterzeichnung besiegelt, die am 10. September 2011 in der Residenz des
US Botschafters stattfand.
Das Projekt Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich wird gefördert aus Mitteln des Zukunftsfonds der Republik Österreich.
Projektleitung: Michael Loebenstein, Ingo Zechner
Kooperationspartner:
Österreichisches Filmmuseum
Kontakt:
Dr. Ingo Zechner




