Sammlung Dziga Vertov
Schon in den 1960er Jahren hat das Österreichische Filmmuseum begonnen, Filme, Fotos, Plakate und andere Dokumente von
und über den Filmemacher, Filmtheoretiker und Pionier des modernen Kinos Dziga Vertov (1896-1954) zu sammeln. Sein
Schaffen stellte von Beginn an eine der zentralen Positionen in der Politik des Filmmuseums dar. 1967 wurde eine Auswahl
von Vertovs Schriften in deutscher Erstübersetzung publiziert (Aus den Tagebüchern), 1972 restaurierten Peter Kubelka und Edith Schlemmer Vertovs klassischen Tonfilm Entuziazm (1930), und 1974 zeigte das Filmmuseum in der Albertina eine umfangreiche Ausstellung über Vertov.
Im Zusammenhang mit diesen Projekten stand das Filmmuseum in engem Kontakt mit Vertovs Witwe und künstlerischer
Mitarbeiterin Elizaveta Svilova. In den Jahren 1970-74 übergab Svilova einen großen Teilnachlass des Künstlers an
das Filmmuseum, der nun den Grundstock der "Sammlung Dziga Vertov" bildet. Insgesamt umfasst die Sammlung heute ca. 100
Filmelemente, ca. 170 schriftliche Originale (Autographen und Montagepläne von Vertov), ca. 200 Fotos (Arbeitsfotos und persönliche
Fotos), ca. 600 Pressedokumente aus aller Welt (überwiegend aus der damaligen Sowjetunion und Deutschland), zahlreiche Originalplakate
und viele andere Dokumente.
Die Sammlung wird von SlawistInnen wissenschaftlich bearbeitet. Seit 2009 ist sie auch in Form einer Online-Datenbank zugänglich - die Unterkapitel dieser Seite führen zur Datenbank. Weiteres Material wird laufend recherchiert und in die Sammlung
integriert. Ziel ist es, Film- und ZeithistorikerInnen einen Ort zu bieten, an dem sie für die Arbeit zu Dziga Vertov möglichst
umfassende Primär- und Sekundärquellen finden.
Auch was die Publikations- und Präsentationstätigkeit betrifft, hat das Österreichische Filmmuseum seit 2004 an seine Vertov-Tradition
der 1970er Jahre angeschlossen. Der Film Entuziazm wurde 2005 in einer Doppel-DVD-Edition mit umfassendem Zusatzmaterial herausgebracht und weltweit gefeiert. Im Mai 2006 wurde unter internationaler Beteiligung
die bis dahin größte Vertov-Retrospektive im Filmmuseum gezeigt. Zugleich erschien ein zweisprachiges, reich illustriertes
Buch, das erstmals Einblick in den Teilnachlass gibt: Die Vertov-Sammlung im Österreichischen Filmmuseum / The Vertov Collection at the Austrian Film Museum.
2010 präsentierte das Filmmuseum eine weitere Vertov-Doppel-DVD mit den beiden raren Meisterwerken estaja čast mira (Ein Sechstel der Erde, 1926) und Odinnadcatyj (Das Elfte Jahr, 1928) mit neuen Soundtracks des britischen Komponisten Michael Nyman. Diese DVD stellt eines der Resultate des dreijährigen
Forschungsprojekts Digital Formalism dar, das 2007-10 vom Filmmuseum, der Universität Wien und der TU Wien durchgeführt wurde. Grundlage dieses vom
WWTF (Wiener Wissenschafts- Forschungs- und Technolgiefonds) geförderten Projekts war Vertovs Filmschaffen und Filmdenken.




