Hommage an Frieda Grafe
Vortrag von Klaus Theweleit

Frieda Grafe, Foto: Enno Patalas

3. Mai 2010
 
Frieda Grafe (1934–2002) war die bedeutendste Stimme im deutschsprachigen Schreiben über Film nach dem Krieg – und die erste, die eine Ahnung von Pop und neuer (französischer) Philosophie in die deutsche Kulturkritik brachte. Die Erfahrungen, die sie während ihres Studiums in ­Paris gesammelt hatte, transformierte sie ab 1961 in einen unnachahmlichen, zutiefst zeitgenössischen Schreibton. Dieser „Grafe-Touch“ (Klaus Theweleit) war durchdrungen von allem, was der Film mit der Sprache, dem Alltag, dem Leben der modernen Menschen angestellt hatte. Grafe eröffnete ihren Lesern den Film als eine neue Art zu denken. Dabei blieb sie stets „elektrisch“, lebendig, unberechenbar, in jedem ihrer Sätze. Die heute vorliegende Werkausgabe – Frieda Grafe. Ausgewählte Schriften in 12 Bänden – lässt erst das wahre Ausmaß ihrer Reflexionen ermessen, die sich in Texten für die Filmkritik, Die Zeit und die SZ sowie in Buchbeiträgen niederschlugen. Dazu kamen wichtige TV-Essays und Übersetzungen (beide oft in Zusammenarbeit mit ihrem Mann, Enno Patalas). Dank Grafe sind etwa Godards, Truffauts und Renoirs Filmbücher auf Deutsch erschienen.

Zusätzliche Materialien