William E. Jones
"Killed" and Resurrected

All Male Mash Up, 2006, William E. Jones

2. bis 5. Februar 2011

 

William E. Jones, geboren 1962 in Ohio, ist einer der vielseitigsten und entdeckungs-freudigsten Filmschaffenden (und Filmforschenden) der letzten beiden Dekaden – und der rare Fall eines Künstlers, der mit wundersamer Nonchalance so unterschiedliche Sphären wie Arthouse-Poesie und Pop-Schönheit, Avantgardekino und Galeriekunst, Schwulenporno, Agitprop und Filmdokument aufklärerisch in Beziehung zu setzen versteht. Jones macht Filme, rekonstruiert und restauriert Werke marginaler Meister, unterrichtet und kuratiert, verfasst Schriften zum Kino und kreiert Künstlerbücher ganz so, wie er Filme macht. Ein Kreislauf wird sichtbar: Was all diese Tätigkeiten eint, ist das Ringen mit dem Vergessen und dem Zerfall, der Kampf wider alle künstlerischen wie gesellschaftlichen Marginalisierungen.
 
Jones’ formales Spektrum ist dabei außerordentlich weit. Es reicht von der dokumentarischen Erforschung der Fankulturen rund um den Sänger Morrissey über klassische, teilweise autobiografische Essayfilme bis hin zur Präsentation von Trouvaillen aus dem ­Film­archiv der US-Polizei; von Found-Footage-Mash-Ups bis zur multipel gestaltbaren, mehrteiligen Installation. Die Grenzen sind dabei ­fließend wie transparent. Der Schlüssel zu Jones’ Schaffen und Selbstverständnis ist wohl der Film v.o., wo endlich zusammenfindet, was die bürgerliche Kultur auseinanderzuhalten beliebt: Porno und Autorenfilm, also Joe Gage und Manoel de Oliveira, Tom de Simone und Luis Buñuel; die einen liefern das Bild, die anderen den Ton. Das, was hier – miteinander, ineinander, zwischen den Ebenen – passiert, was freigesetzt wird an Energien und Ideen: das ist Kino.
 
William E. Jones wird während der gesamten Retrospektive – seiner ersten im deutschsprachigen Raum – in Wien anwesend sein. Eines der sechs Programme ist in Form einer Lecture-Präsentation gestaltet: Neben mehreren Kurzfilmen stellt Jones hier auch einige seiner nichtfilmischen Arbeiten vor.
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