Film als subversive Kunst:
Ein Abend für Amos Vogel

Amos Vogel. Mosaik im Vertrauen, 2001, Egon Humer

18. April 2011
 
Der aus Wien gebürtige Amos Vogel, einer der bedeutendsten Kinomacher, Kritiker und Kuratoren des vergangenen Jahrhunderts, begeht am 18. April in New York seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass widmet das Filmmuseum dem Erfinder des legendären Cinema 16, Mitbegründer und Direktor des New York Film Festival sowie Autor des Standardwerks Film as a Subversive Art einen Abend, der seine Karriere und einige wesentliche Linien in seinem Denken über Film nachzeichnet.

 
Das erste Programm steht im Zeichen der Biografie des 1939 vor den Nazis geflohenen Cineasten, wie ihn Egon Humer in Amos ­Vogel. Mosaik im Vertrauen (2001) porträtiert hat. Der Film ist eine einzige Gratwanderung, seine visuelle Textur, die zwischen Video, Super-8-Bildern und Archivmaterial wechselt, assoziiert frei zu der von Vogel gesprochenen Off-Erzählung: ein Film über eine Vertreibung, über 55 Jahre einer Ehe und über die Geschichte des Kinos, das Vogel schon in Wien für sich entdeckt. Das dokumentarische Filmpoem Night Mail (1936) wird für den Teenager zum prägenden Kinoerlebnis – und ist im Anschluss zu sehen.
 
Die zweite Hälfte des Abends versteht sich als Hommage an ­Cinema 16, den größten und bekanntesten Filmclub der USA, mit dem sich Amos Vogel wie kaum ein anderer Kinoaktivist um den unabhängigen Film verdient gemacht hat. Die fünf ausgewählten Kurzfilme stehen, jeder für sich und alle zusammen, exemplarisch für Vogels schier unerschöpfliches Interesse an formaler wie thematischer Vielfalt: vom Early Cinema (Charles Chaplin) über den politischen Animationsfilm (L’Idee von Berthold Bartosch) und die klassische Avantgarde (Alexander Hammid / Maya Deren) bis zur pop-artigen Anti-Vietnam-Polemik (Martin Scorseses The Big Shave) und dem dokumentarischen Tabubruch (Joseph Stricks Interviews With My Lai Veterans).
 
Eine gemeinsame Veranstaltung von SYNEMA und Filmmuseum, mit Einführungen von Brigitte Mayr und Michael Omasta, die auch eine neue Broschüre mit Texten von und über Amos Vogel vorstellen (SYNEMA-Publikationen, Wien).
Zusätzliche Materialien