Jack Smith: Flaming Creature

Flaming Creatures, 1963, Jack Smith

16. bis 29. November 2012

 

Der Filmemacher, Fotograf, Performer, Zeichner und Autor Jack Smith, geboren 1932 in Columbus, Ohio, gestorben 1989 in New York, wurde lange Zeit vor allem als „Underground-Ikone“ wahrgenommen. Heute gilt er als eine heimliche Zentralgestalt der Kunstgeschichte des letzten halben Jahrhunderts: zutiefst „erfolglos“ zu Lebzeiten, zieht man die Kriterien der Kulturindustrie als ­Maß­stab heran; unendlich einflussreich und zunehmend einflussreicher, betrachtet man die künstlerischen Prozesse und Diskurse, die von seinem Schaffen, von seiner Person bewegt wurden oder sich darin materialisierten – vom New American Cinema der späten 1950er- und 1960er-Jahre bis zur zeitgenössischen „Queer Culture“, von der Verwandlung der Avantgarde mittels Camp-Ästhetik und „Superstardom“ (hierin war Jack Smith ein ­Vorläufer und dann Wegbegleiter Andy Warhols) bis zur Geschichte der Performance Art.
 
Unter Beteiligung zahlreicher Gäste erkundet die bislang umfangreichste Schau zu Jack Smith in Österreich dessen Kosmos als Filmmacher und -darsteller, als Performer und Cinephiler. Smiths Schaffen wurde lange auf einen einzigen Film reduziert: Flaming Creatures (1963), ein Schlüsselwerk des modernen Kinos und einer der großen Kultur- und Zensur-Skandale der 1960er Jahre. Dank der umfassenden Restaurierungsarbeiten von Jerry Tartaglia kann Smiths bislang unbekanntes, zum Teil Fragment gebliebenes Film-Œuvre nun erstmals in seiner ganzen Fülle und in neuen, unwirklich leuchtenden Kopien entdeckt werden: von Overstimulated über Langfilme wie Normal Love und No President bis Reefers of Technicolor Island.
 
Viele dieser Arbeiten wurden von Smith in seinen legendären, mehrstündigen Theater- bzw. Performance-Projekten verwendet, die in dieser Retrospektive via Lectures und entlang rarer Dokumente vorgestellt werden. Darüber hinaus präsentiert die Schau den unnachahmlichen Filmdarsteller Jack Smith – z. B. in Werken von Andy Warhol, Ken Jacobs, Ron Rice und den Gebrüdern Kuchar – sowie einige seiner „Fetisch-Filme“ (1940er-Jahre-Technicolor mit Maria Montez oder Marlene Dietrich bei Josef von Sternberg) und Filme, die unter seinem Einfluss stehen: von Fellinis Satyricon bis zu den frühen Werken von Werner Schroeter oder John Waters.
 
Gäste und wesentliche Mitwirkende dieses Programms sind der New Yorker Kurator und Filmkritiker J. Hoberman, der die Schau konzipiert hat; Peter Kubelka, Mitbegründer des Filmmuseums, der Smith schon in den 1960er Jahren in Österreich bekannt machte; der Filmwissenschaftler Marc Siegel, der in den letzten Jahren mehrere Publikationen und Veranstaltungen rund um Jack Smith betreut hat; sowie Diedrich Diederichsen, Professor an der Akademie der Bildenden Künste Wien und Autor zahlreicher Schriften im Kontext Underground/Avantgarde/Pop.
 
Ein Programm im Rahmen der Vienna Art Week.
Zusätzliche Materialien