In person:

David Gatten

Journal and Remarks, 2009, David Gatten (Foto: David Gatten Film)

21. und 22. November 2013

 

Der 1971 in Ann Arbor, Michigan, geborene Künstler David Gatten zählt zu den herausragenden Figuren des zeitgenössischen Avantgardefilms. Pointiert gesagt, umspannt sein Schaffen die Gutenberg-Galaxis und den Kontinent Lumière, die Kulturen des Lesens und des bewegten Schauens – also auch das Glück und die Grenzen beider Wahrnehmungs­weisen. „Wie kein Zweiter versteht es Gatten, die Zeichensysteme Schrift und Laufbild filmkünstlerisch ineinander zu verschränken, er hat auf diesem Weg zu einer singulären Ästhetik gefunden“, fasst Peter Tscherkassky das Werk seines US-Kollegen zusammen. Für Gatten selbst besteht die Herausforderung darin, das „Spiel des Verstehens“ in Schwebe zu halten: „Die Freude am Lesen/Sehen und die Angst, nicht genug aufnehmen zu können, sind nur zwei Seiten derselben Medaille. Das eine existiert nicht ohne das andere.“
 
Seit mehr als einer Dekade wird David Gatten in der amerikanischen Kunst- und Filmkritik, von Artforum bis Film Comment, intensiv rezipiert; in Europa hingegen ist sein Werk noch weitgehend Terra incognita. Gattens Interesse an den materiellen Grundlagen des Mediums Film (bis hin zu dessen physischer Anreicherung mittels Ozeanwasser oder Blütenpollen) und an der Struktur bzw. Unterminierung ästhetischer und kommunikativer Systeme erlaubt diverse Bezüge zu Hauptvertretern des amerikanischen Künstlerfilms: von Stan Brakhage bis Hollis Frampton, von James Benning und Sharon Lockhart bis Ernie Gehr. Die ureigene Rätselhaftigkeit und Schönheit seiner Filme lässt sich aber mit solch entfernten Verwandtschaften nicht wirklich erklären. Eine Spur dorthin legen schon eher Gattens Werktitel: What the Water Said, The Great Art of Knowing oder Film for Invisible Ink.
 
Die zwei Filmprogramme in der Reihe In person geben einen Einblick in das vielseitige Schaffen David Gattens und ermöglichen unter anderem die Begegnung mit zwei Werken aus dem neunteilig angelegten Zyklus Secret History of the Dividing Line, A True ­Account in Nine Parts, einer kinematografischen Annäherung an die ­­historische Figur des Schriftstellers, Sklavenhalters und Politikers William Byrd II.
 
Eine Veranstaltung des Österreichischen Filmmuseums im Rahmen der Vienna Art Week.
Zusätzliche Materialien