In person:

Denk' ich ans Filmen in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Friedl vom Gröller

Heidi Kim und Ulrich Gregor at the W Hong Kong Hotel

7. und 8. Mai 2014
 
Friedl vom Gröller, 1946 in London geboren und als Fotografin unter dem Namen Friedl Kubelka bekannt, hat in vergleichsweise kurzer Zeit ein kinematografisches Œuvre geschaffen, dessen Reichtum sowohl der Vielzahl ihrer Arbeiten (zirka 80 Filme bisher) als auch der Reduktion ihrer Mittel entspringt. Beide Aspekte – das unablässige Wiederholen und Variieren sowie das Suchen neuer Wege innerhalb eng gesetzter Parameter – erlauben der Künstlerin, eine bestimmte Form des Nachdenkens zu praktizieren: über die Verhältnisse zwischen Fotografie und Film, Subjekt und Objekt, Individuum und Welt. Schlussendlich also: über Identität – und deren Schwankungen.
 
Vom Gröller arbeitet mit 16mm-Film (fast durchwegs schwarzweiß, meist stumm), mit 30m-Filmspulen und einer Kamera mit Handaufzug. Kein Script, keine Assistenz, keine Postproduktion. Die Montage findet in der Kamera statt. In zwei- bis dreiminütigen Porträts wird die Momentaufnahme der Fotografie zu einem Dokument der verstreichenden Zeit, das die Entstehung von Gefühlen und deren Erlöschen sichtbar macht. Die gesellschaftliche Konvention der Dauer eines Blicks in ein fremdes Gesicht wird durch die Starrheit des Kameraauges und die Dauer des Filmens durchbrochen. Oberflächen der Welt, Gesichter und Körper von Freunden, Fremden, Künstlern oder der Familie der Filmemacherin, werden Objekte eines „gedehnten Blicks“ (Wilhelm Genazino), der – wenn wir ihn teilen – die Spuren des an sich Unsichtbaren sichtbar, spürbar, manchmal sogar lesbar macht.
 
Nur scheinbar am anderen Ende dieses Blicks finden sich allegorische Reflexionen über das körperlich-gesellschaftliche Dasein in der Welt – zwischen Zahnarztbesuch (Warum es sich zu leben lohnt), Erleichterung im öffentlichen Park (Im Wiener Prater), kommerzialisierter Sexualität (Ohne Titel) oder ein Porträt des psychotischen Freundes Jansci Sczenei (Festland Donau). In dem zwölfteiligen Langzeitporträt Max Turnheims – im Rahmen der Schau als Weltpremiere zu sehen – kommt der Reichtum eines solchen Blicks vollends zur Geltung: Hier denkt der Film das Porträt als Komprimierung eines ganzen Lebensabschnitts – die Loslösung vom Elternhaus, das Auffinden eines eigenen Weges, die erneute Sehnsucht nach bürgerlichen Institutionen. Dies alles ausgehend von einem Gesicht im Fluss der Zeit.
 
Im Rahmen der dreiteiligen Veranstaltung wird auch ein Programm mit Werken anderer Filmmacher/innen gezeigt, die in dem von Friedl vom Gröller herausgegebenen Künstlerbuch
Analog Film Manifestos versammelt sind: Josef Dabernig, Eve Heller, Peter Kubelka, Ulrich Seidl, Peter Tscherkassky, Albert Sackl und Antoinette Zwirchmayr. Viele von ihnen werden ebenfalls anwesend sein. Die Schau wurde von Alejandro Bachmann und Dietmar Schwärzler zusammengestellt und findet in Kooperation mit Sixpackfilm statt.

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