Schengener Schrecken:
Euro-Horror heute

28 Weeks Later, 2007, Juan Carlos Fresnadilllo

27. März bis 6. April 2015

 

Ohne Film wäre die Welt ungesehen, sie wäre bloß überwacht; Europa wäre noch düsterer ohne Horrorfilm. Der begrenzte Raum Schengen sieht sich selbst unter Ausblendung seiner Gräuel; Horror blendet sie wieder ein. Wie Filme aus diesen Breiten und diesem Jahrtausend das tun, zeigt diese Schau – ein aktuelles Nachwort zur zweiteiligen Retrospektive, die das Filmmuseum dem Horrorgenre gewidmet hat.

 
Erst, so scheint es, regiert reiner Hochleistungsspirit; dann kommt Schrecken ins Bild. Mal geschieht das mit greller Eruption im Dunkeln: In The Descent stürzen Höhlenkletterinnen in Gender- und Ethno-Gewalt; im spanischen Familienspuk Darkness zittern die Frames. Mal geschieht es allmählich: Marina de Vans Dans ma peau zeigt das Herumschnippeln an sich als Passion einer Büroangestellten. Horror schickt europäischen Geist auf driftende Reisen: mit Christian Petzolds Yella ins Land des Investment, mit Nicolas Winding Refns Valhalla Rising ins Heilige Land Amerika. Gewalt von einst hallt nach in Guillermo del Toros Franco-Ära-Monster-Melo Pan’s Labyrinth wie auch im Mockumentary norwegischer Nationalkreaturen (Trolljegeren). Und Quasi-Zombies versammeln sich: leise zur Ausgrenzung, rasend in London, patschert in Berlin – Les Revenants, 28 Weeks Later, Rammbock.

 
Mehr als um „Transgression“, „Kult“ oder Gattungsreinheit geht es hier um Politik-Bilder, die buchstäblich ins Auge springen, und um ihr Spektrum an Sounds, Schauweisen und Schaudern. Im Horrormodus kann Genrekino so konzeptuell sein wie Dokumentarfilm unheimlich: Der Minimalismus von Laws of Physics, der Antwerpener Stadterweiterungsspuk in Linkeroever, sie zeigen jeweils ein Haus, das man mit Geistern und Stimm(ung)en teilt: ein „gemeinsames Haus Europa“. An ethnischen und Klassen-Grenzen im Haus tun sich mitunter Nachbarn zusammen und zünden ein paar Joints und Böller an, solidarisch gegen Aliens, bullies und Polizei in Brixton – when monsters Attack the Block. Die Tagline dieser Invasionsschocksatire war Inner City & Outer Space. Drinnen, draußen; und dazwischen rote Linien: Schengener Schrecken.

 
Die von Drehli Robnik konzipierte Reihe wird ergänzt durch eine Tagung mit Beiträgen von Johannes Binotto, Karin Harrasser, Christine Lötscher, Michael Palm, Drehli Robnik und Michaela Wünsch. Sie bildet den Abschluss von Robniks Forschungsprojekt Political Aesthetics of Contemporary European Horror Film, gefördert vom FWF.

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