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Warm Spots: Jonathan Schwartz

Nothing is over Nothing, 2008, Jonathan Schwartz (© Jonathan Schwartz)

8. und 9. April 2015

 

Wasser und Licht sind nicht zufällig dominante Motive im Werk des 1973 in New York geborenen Jonathan Schwartz, denn sie betonen, wie der Filmemacher mit den Mitteln des 16mm-Films verfährt: elementar. Schwartz macht die Welt anhand ihrer kleinsten Gesten und Vibrationen sichtbar und verleiht ihr damit ungewöhnliche, manchmal beunruhigend flüchtige Präsenz. Zugleich wird etwas Anderes sichtbar, eine Kernfunktion des analogen Mediums: die Zerlegung und Neuzusammensetzung von Bewegung. In diesen Filmen geraten Blumengrafiken zu Feuerwerken (For them Ending) und Pfadfindercomics zu Kriegsszenarien (Sunbeam Hunter); ein Sprung ins Wasser verwandelt sich in Chronofotografie (The Wedding Present). In anderen Fällen bleibt das dokumentarische Anliegen wesentlich: das Festhalten von Spuren des Lebens in Indien, Israel oder der Türkei.
 
Im Unterschied zu vielen seiner Kollegen ist der Ton bei Schwartz unbedingt gleichberechtigt. Das Kratzen der Tonspur, Cover-Versionen von Popsongs, die menschliche Stimme und treibende Loops erzeugen nicht nur eine Stimmung, sie verschieben auch oft das Bild: weg von seinem Inhalt, hin zu einem Gedanken. So wird vor allem in den kürzeren, Haiku-ähnlichen Arbeiten aus der 33 1/3 Series deutlich, was an diesem Kino im besten Sinne poetisch ist: Schwartz‘ präzise wie intuitive Anwendung einfachster Mittel erwirkt eine ozeanische Weite an Assoziationen. Die Filme laden dazu ein, „doppelt gesehen“ zu werden – als mit großer Empathie filmisch verdichtete Oberflächen und (das wird vor allem im Werk-Überblick deutlich) als ein Nachdenken über Vergänglichkeit. „Die Würde, die in der Bewegung eines Eisberges liegt, beruht darauf, dass nur ein Achtel von ihm über dem Wasser ist.“ (Ernest Hemingway)
 
Jonathan Schwartz steht nach beiden Programmen für Publikumsgespräche zur Verfügung.

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