New Hollywood 1966-1978. Teil 2

Taxi Driver, 1976, Martin Scorsese
5. bis 30. April 2004
 
Als Schwerpunkt des Aprilprogramms zeigt das Filmmuseum Teil 2 der großen Retrospektive zu „New Hollywood“ – jener aufge-wühlten, aufwühlenden und in viele Richtungen offenen Ära des US-Kinos, die einen „delirierenden“ Übergang bildet zwischen dem klassischen Studiosystem und dem Kino der Blockbuster. Im Zentrum stehen nun die Filme der Zeit von 1973-78.
 
Paradoxerweise ist diese Ära auch die Geschichte eines Rückzugsgefechts, obwohl einige der archetypischen New-Hollywood-Filme gerade in diesen Jahren entstanden: Polanskis Chinatown, Scorseses Taxi Driver, Altmans Nashville, Coppolas ungemein reiche Fortsetzung The Godfather II oder seine Studie zum Überwachungswahn, The Conversation. Doch der Freiraum für neue Talente, der durch den Erfolg von Easy Rider geschaffen worden war, begann sich – angesichts vieler kommerziell erfolgloser Experimente – bald wieder zu schließen. Die tatsächlich radikalen Filme im zweiten Teil dieser Schau (Speaking Directly, Film About a Woman Who ..., Milestones) entstanden völlig abseits des Studio-Kontexts, die Karrieren ihrer Regisseure – Jon Jost, Yvonne Rainer, Robert Kramer – konnten mit Hollywood keine bleibende Verbindung eingehen.
 
Auf dem kommerziell halbwegs „sicheren“ Terrain des Genrekinos war die Blütezeit noch nicht zu Ende. Im Gegenteil: Neben den genannten Meisterwerken entstanden Sendboten einer subversiven, irritierten Stimmung im Lande – wie z.B. John Flynns Rachekrimi The Outfit oder Assault on Precinct 13, John Carpenters mustergültige Überführung von Rio Bravo in die Zone anonym-gewalttätiger Vorstädte. Akute soziale und politische Ängste ziehen ihre Spur durch die Filme jener Jahre: Vietnam (Taxi Driver, The Last Detail, Who'll Stop the Rain), Politiker-Attentate und Watergate (The Parallax View, Nashville, The Conversation). Der erstaunlichste Entwurf zur tiefgreifenden Paranoia der Ära ist wohl Larry Cohens wahnwitzige Fusion aus Mythologie und Pulp: God Told Me To.
 
Der zwischen Wut und Melancholie schillernde Tonfall, den Sam Peckinpah in seinen letzten Hauptwerken – Pat Garrett and Billy The Kid und Bring Me The Head of Alfredo Garcia – anschlug, erwies sich als prophetisch: Nachdem Steven Spielberg und George Lucas mit Jaws bzw. Star Wars das Modell des modernen Blockbusters durchgesetzt hatten, orientierte sich das Studiosystem wieder zusehends am Formelkino und verschloss sich langsam aber sicher allen kritischen Diskursen auf dem Gebiet der Ästhetik und der Politik. Die schönsten Filme des Jahres 1978 lassen sich auch als Grabinschrift für „eine gewisse Tendenz im amerikanischen Kino“ lesen: Karel Reisz' Who'll Stop the Rain wird ignoriert; bei Terrence Malick folgen auf Days of Heaven 20 Jahre Pause bis zum nächsten Geniestreich; und der Erfolg von Michael Ciminos ambivalentem Vietnam-Epos The Deer Hunter bleibt der letzte seiner Karriere. Die Schau endet – paradigmatisch – mit George Romeros Dawn of The Dead: ein prophetischer Blick in die neoliberale Zukunft, in der Konsum-Zombies wie ferngesteuert durch die Shopping Malls taumeln.
 
Am 14. April wird der Filmtheoretiker Drehli Robnik im Filmmuseum eine Lecture zum Kino dieser Ära halten. Ergänzend zeigen wir zwei späte, bestechende „Fortsetzungen“ von New-Hollywood-Klassikern: Jack Nicholsons "The Two Jakes" und "Texasville" von Peter Bogdanovich (beide aus dem Jahr 1990).
 
Das Gesamtprojekt zu New Hollywood wurde vom Österreichischen Filmmuseum und dem Filmmuseum Berlin für die Berlinale 2004 erarbeitet. Unser Dank für die gute Zusammenarbeit gilt vor allem Connie Betz, Gabriele Jatho und Hans Helmut Prinzler.
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