Kelly Reichardt

29. Jänner bis 5. Februar 2010
Das beispielhafte Kino einer neuen Ära in Amerika, das der harten, ökonomisch prekären Gegenwart ein wenig Hoffnung
und Menschlichkeit entgegenhält - so beschrieb der Kritiker Dennis Lim Wendy and Lucy (2008), den dritten Spielfilm der 45jährigen US-Regisseurin Kelly Reichardt. Michelle Williams spielt darin eine junge Frau
ohne Wohnsitz, die mit Hund und Auto in einer namenlosen Kleinstadt hängen bleibt - und fast aus der Gesellschaft heraus fällt.
Reichardts Kino ist zugleich regional und universell, politisch aufmerksam und von einer rauen visuellen Schönheit, die an
Fotografien von William Eggleston erinnert. Seit Old Joy (2006) darf man sie als eine der unverwechselbaren und eigenwilligsten Stimmen im zeitgenössischen amerikanischen Kino bezeichnen.
Dieses minimalistische Drama, das vom Wiedersehen zweier Freunde und ihrem Ausflug in Grüne erzählt, kreist um ein unbestimmbares
Gefühl von Verlust: Die alte Zeit ist nicht einholbar. Ihr Filmdebüt gab Reichardt bereits 1994 mit River of Grass, in dem sie das Ende einer anderen Ära beschreibt: Die Flucht eines romantisch-kriminellen Pärchens setzt sie als nüchternen,
fast desillusionierten Versuch in Szene, der Normalität einer bürgerlichen Existenz zu entfliehen (und lässt dabei durchaus
an Bonnie and Clyde oder Badlands denken).
Zu Reichardts erweitertem Team gehören der Regisseur Todd Haynes, der ihre letzten Werke produziert hat, Country-Kauz
Will Oldham (der in Old Joy eine der Hauptrollen spielt und oft Musik beisteuert) und vor allem der Schriftsteller Jon Raymond, mit dem sie ihre Drehbücher
verfasst. Sie alle sind Teil einer lebendigen Szene, die eng mit der Stadt Portland, Oregon verbunden ist.
Das Filmmuseum zeigt Kelly Reichardts bisheriges Gesamtwerk, darunter auch ihre kurzen und mittellangen Arbeiten wie die All-American-Tragedy
Ode (1999).

