Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich

Bobby Tennenbaum im März 1939 auf der Queen Mary unterwegs in Richtung USA (© United States Holocaust Memorial Museum, Gift of Robert Tennenbaum)

10. November 2013

 

Zum 75. Jahrestag des Novemberpogroms: keine Gedenkveranstaltung, sondern eine Projektpräsentation. Keine Filmschau, sondern ein vielschichtiger Einblick in die NS-Sammlungsbestände des Öster­reichischen Filmmuseums und des United States Holocaust Memorial Museum. Und ein Blick in eine mögliche Zukunft des Umgangs mit Filmen, die man „ephemere ­Filme“ genannt hat, weil sie ­kurz­lebiger als andere sind: Amateur­filme, Unternehmensfilme, Werbefilme, die kaum jemals für die große Leinwand gedacht waren.
 
Private Momente in Home Movies jüdischer Familien, die nachträglich zu Spuren des Verschwundenen, der Vertreibung und ­Vernichtung werden. Hellwache Blicke von Reisenden, die den Wahnsinn aufzeichnen, der sich im Wiener Alltag des Jahres 1938 breitgemacht hat. Komplizenschaften zwischen einheimischen ­Kameraleuten und dem Mob. Nicht zuletzt: unfreiwillige Enthüllungen. Und viele ambivalente Bilder.
 
Meist in heute obsoleten Formaten gedreht, oft nur in einer ­einzigen, fragilen Kopie überliefert, geben diese kleinen Filme Anlass, noch einmal über das Verhältnis von Film, Geschichte und Geschichtsschreibung nachzudenken, nach neuen Antworten auf die Frage nach der Beziehung zwischen analogen und digitalen ­Medien zu suchen.
 
Statt über Filme zu sprechen und zu schreiben: Kann man auch Notizen zu ihnen machen, wie Fußnoten zu einem Text, wie Untertitel zu einem Film? Kann man diese Notizen um andere Bilder und Töne erweitern? Wie kann ein nicht exklusiver Zugang zu diesen ­Filmen aussehen, der die Eigenheiten ihres Originalformats respektiert? Eine neuartige Technologie synchroner Filmannotation, 25 annotierte Filme und eine neue Website versuchen, eine Antwort zu geben.
 
Projektleitung: Ingo Zechner, Michael Loebenstein. Humanities-IT: Georg Kö. Projektpartner: Österreichisches Filmmuseum, United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), ­Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft (LBIGuG). Gefördert vom ­Zukunftsfonds der Republik Österreich.
 
Eine gemeinsame Veranstaltung des Filmmuseums, des United States Holocaust Memorial Museum und des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Gesellschaft
Zusätzliche Materialien