Bilder der Befreiung
Liberation Footage – Atrocity Pictures

[Liberation of Dachau] © Library of Congress

3. bis 7. Mai 2015
 
Nichts hat die Vorstellung vom Holocaust nachhaltiger geprägt als die Filmaufnahmen aus den Konzentrationslagern, die unmittelbar nach ihrer Befreiung entstanden sind: die Berge von Schuhen, Brillen und Haaren der Opfer in Auschwitz, die Zeichnungen auf der Haut der Ermordeten in Buchenwald, die ausgemergelten Körper der Toten in Bergen-Belsen, die von einem Bulldozer haufenweise in Massengräber geschoben werden.

 
Für den Versuch der Visualisierung eines Verbrechens, das einem weit verbreiteten Konsens zufolge die Grenzen der Vorstellbarkeit und Darstellbarkeit überschreitet, besitzen diese Bilder eine Schlüsselfunktion. Ihre zentrale Rolle steht freilich in einem merkwürdigen Missverhältnis zum mangelhaften Wissen über ihre Entstehung und Verwendung. Die Schau zeigt diese Filme in ihren unterschiedlichen Kontexten, kontrastiert und ergänzt durch vergessene und verworfene Bilder aus geheimen und gescheiterten Filmproduktionen sowie durch private Aufnahmen aus Amateurfilmen (etwa solche von US-Soldaten wie Sam Fuller und George Stevens, die vor und nach dem Zweiten Weltkrieg in Hollywood tätig waren). Damit verlagert sich auch der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit vom fertigen Film auf das ungeschnittene Rohmaterial, das in der Filmproduktion als „footage“ bezeichnet wird.

 
„Bilder der Befreiung“ besteht aus 8 Programmen und rund 25 Filmen, die zum Großteil erstmals in Österreich zu sehen sind – mit Einführungen von Barbara Glück, Marsha Gordon, Toby Haggith, Jeremy Hicks, Stuart Liebman, Drehli Robnik, Leslie Swift, Lindsay Zarwell, Ingo Zechner.
 

Die Schau, konzipiert von Ingo Zechner, ist eine gemeinsame Veranstaltung des IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften, Kunstuniversität Linz und des Filmmuseums, in Kooperation mit dem U.S. Holocaust Memorial Museum und dem Zukunftsfonds-Projekt „Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich“. Am 7. und 8. Mai veranstaltet das IFK eine internationale Tagung zum Thema.

 

Ergänzend präsentiert das aktuelle Kapitel der Reihe „Die Utopie Film“ vier fiktionale Bearbeitungen des Themas, darunter Sam Fullers Spätwerk The Big Red One.

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