Filmmuseum on location:

In London, Paris und auf der Diagonale in Graz

Cold World in "The Bands", 1993, Egon Humer
29. März bis 2. April 2017, Diagonale (Graz)

Mit seiner Restaurierung von Lav Diaz' Batang West Side trägt das Filmmuseum derzeit zu einem großen Ausstellungsprojekt und Symposium der University of Westminster und der Londoner Gallery West bei: Lav Diaz: Journeys ist noch bis 12. März in London zu sehen. An der Cinémathèque française wiederum werden beim Festival Toute la mémoire du monde (1. bis 5. März) zwei rezente Restaurierungen unseres Hauses erstmals in Frankreich gezeigt: From the Notebook of… von Robert Beavers und American Dreams von James Benning. Und auf der Diagonale in Graz (28. März bis 2. April) präsentiert das Filmmuseum ein sechsteiliges Programm zum diesjährigen Festivalschwerpunkt, dem Verhältnis von Pop, Film und Österreich.

Die Grazer Schau trägt den Titel This is not America: Austrian Drifters und thematisiert heimische Suchbewegungen zwischen Film und Popkultur – ausgehend von jenem Moment, da mit der Besetzung der Wiener Arena im Sommer 1976 Pop, Film und politischer Aktivismus in besonderer Weise zusammenrückten. Die Figur des Drifters führt durch das Programm: Sie steht für die Charaktere und formalen Zugänge der Filme wie auch für die Art der Zusammenstellung selbst, ein Driften durch die letzten 40 Jahre, mit Schlaglichtern und Seitenblicken hier und da.

Sichtbar kann in so einem Programm zum Beispiel werden, wie stark das "coole Wissen" um die Codes und Zeichen – wie man spricht, sich bewegt, gestikuliert – die Menschen vor der Kamera durchdringt. In gewissen Elementen zeigt sich dies bereits in John Cooks Langsamer Sommer (1974–76). Sechs Jahre später kommt im Café Malaria des gleichnamigen Films von Niki List eine Schar junger Popper zusammen, um das schöne Leben in knalliger Überdrehtheit zu feiern. Und nochmal 16 Jahre später heißt Pop in Wien vor allem Techno, so scheint es in Barbara Alberts, Reinhard Juds und Michael Grimms Slidin' – aber die Euphorie und Begeisterung für das Verkleiden, für Oberflächen und Identitätsspiele sind schon verblasst wie die Neonfarben der Clubs und Klamotten.

Immer auch spürbar: die Sehnsucht nach Amerika, seinen Figuren, seinen Mythen. Dieser Sehnsucht buchstäblich nachgegangen ist Peter Ily Huemer. Sein erster Spielfilm Kiss Daddy Good Night steht für ein Schaffen, das sich stets im Dialog mit Amerika und mit der Popmusik befand. Ein rund um die Kalkito-Clips von Dietmar Brehm formiertes Programm aus kürzeren Arbeiten geht hingegen dem Ineinander von Pop-Ästhetik und Künstlerfilm nach. Es demonstriert, welchen Funkenregen die vermeintlich konträren Konzepte der filmischen Avantgarde und der Popmusik miteinander erzeugen können.

Lässt man sich auf die schlingernde Bewegung des Programms ein, stößt man auch auf einige Orte, an denen Pop in Österreich in besonderem Maße gelebt wurde. In dokumentarischen Arbeiten wie Egon Humers The Bands (1993) oder Wolfgang Strobls Eiszeit (1982) begegnet man Wiener Läden wie dem U4, der Arena, dem Flex oder der Stadtwerkstatt in Linz – "Kulminationsplätzen", an denen der dem Pop eigene Individualitätsdrang etwas Gemeinschaftliches (und damit potenziell Politisches) erzeugte. Zugleich aber wird man sich durchgehend an einem zentralen Ort der Popkultur in Österreich befinden: im Kino.

Programm: