1964 | 2014

Projekte zum 50-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Filmmuseums
Family Life

Family Life (1971)

Regie: Ken Loach; Drehbuch: David Mercer nach seinem Theaterstück In Two Minds; Kamera: Charles Stewart; Musik: Marc Wilkinson; Darsteller: Sandy Ratcliff, Bill Dean, Grace Cave, Malcolm Tierney. 35mm, Farbe, 107 min
 
Janice geht es wie Millionen anderer ­Jugendlicher: Nichts, was sie von sich aus tut, ist in den Augen der Eltern gut. Die wissen alles besser, weshalb ihre Weisungen zu einem Leben führen, von dem alle ahnen, dass es unglücklich sein wird, aber dafür respektabel: Die Plastikschonbezüge auf der Wohnzimmergarnitur werden nur abgezogen, wenn Besuch kommt. Als Janice schwanger wird, zwingen sie die Eltern zur Abtreibung. Family Life war Ken Loachs erste Bearbeitung eines eigenen Fernsehspiels, In Two Minds (1967) – ein Echo von The Divided Self (1960), dem Hauptwerk von R. D. Laing. Comrade Ken nahm sich des Grundproblems – wie innerfamiliäre Gewaltverhältnisse zu seelischen Zusammenbrüchen führen – ein zweites Mal an, weil die Zeit diese Fragen zugespitzt hatte. In aller gebotenen Sperrigkeit demonstriert Family Life, wie Menschen zu Wölfen ihrer Nächsten werden, aufgrund einer Liebe, die mehr durch Besitz als durch Gefühl definiert ist. (R.H.)