Family Life (1971)
Regie: Ken Loach; Drehbuch: David Mercer nach seinem Theaterstück In Two Minds; Kamera: Charles Stewart; Musik: Marc Wilkinson; Darsteller: Sandy Ratcliff, Bill Dean, Grace Cave, Malcolm Tierney. 35mm,
Farbe, 107 min
Janice geht es wie Millionen anderer Jugendlicher: Nichts, was sie von sich aus tut, ist in den Augen der Eltern gut. Die
wissen alles besser, weshalb ihre Weisungen zu einem Leben führen, von dem alle ahnen, dass es unglücklich sein wird, aber
dafür respektabel: Die Plastikschonbezüge auf der Wohnzimmergarnitur werden nur abgezogen, wenn Besuch kommt. Als Janice schwanger
wird, zwingen sie die Eltern zur Abtreibung. Family Life war Ken Loachs erste Bearbeitung eines eigenen Fernsehspiels, In Two Minds (1967) ein Echo von The Divided Self (1960), dem Hauptwerk von R. D. Laing. Comrade Ken nahm sich des Grundproblems wie innerfamiliäre Gewaltverhältnisse
zu seelischen Zusammenbrüchen führen ein zweites Mal an, weil die Zeit diese Fragen zugespitzt hatte. In aller gebotenen
Sperrigkeit demonstriert Family Life, wie Menschen zu Wölfen ihrer Nächsten werden, aufgrund einer Liebe, die mehr durch Besitz als durch Gefühl definiert ist.
(R.H.)



