Ödenwaldstetten, 1964, Peter Nestler, Kurt Ulrich (Foto: Deutsche Kinemathek)

Münchner Wahlverwandtschaften

Henker Tom (1965) von Klaus Lemke; Darsteller: Werner Enke. 35mm, s/w, 11 min
Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter (1968) von Jean-Marie Straub, Danièle Huillet; Darsteller: Rudolf Waldemar Brem, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder. 35mm, s/w, 24 min*
Frühstück in Rom (1966) von Max Zihlmann; Darsteller: Ingrid Caven, Lutz Bajohr, Eckhart Schmidt, Klaus Lemke. 35mm, s/w, 17 min
Ödenwaldstetten (1964) von Peter Nestler, Kurt Ulrich; DCP (von 16mm), s/w, 37 min. Wir zeigen auf Wunsch des Filmmachers die digital restaurierte Fassung.
Jane erschießt John, weil er sie mit Ann betrügt (1964/68) von Rudolf Thome; Darsteller: Elke Haltaufderheide, Alf Brustellin, Marquard Bohm. 35mm, s/w, 15 min
 
Thome/Lemke/Zihlmann und Straub/Huillet: zwei zentrale Mikrokonstellationen des bundesdeutschen Gegenkinos der Nachkriegszeit, die im München der 1960er zeitweise zur Deckung kommen. Etwa beim gemeinsamen Spaghetti-Essen, zu dem Straub/Huillet wiederholt einladen. Und auch in einer generösen Form der Cinephilie, die erkennt, dass Straub/Huillets (an Brecht gebrochener) Verismus und das Slacker-Pathos von Thome/Lemke/Zihlmann zwei gleichberechtigte Optionen sind, sich zur sozialen Wirklichkeit zu verhalten. Peter Nestler, ein Wahlverwandter jener Tage, hatte als Schauspieler in Papas Kino begonnen und erweist sich bald als der Unversöhnteste unter den Außenseitern. Seine niederschmetternde Miniatur Ödenwaldstetten zeigt Kinderspiele auf der Schwäbischen Alb, in die plötzlich die volle Wucht der deutschen Geschichte hineinkracht. (L.F.)
 
Einführung von Hannes Brühwiler
 
* Herzlichen Dank an Christian Aichernig, der im Rahmen des Projekts "Filmpatenschaft" den Erwerb dieses Films für die Sammlung des Filmmuseums finanziert hat.

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