Velvet Goldmine

Velvet Goldmine (1998)

Regie, Drehbuch: Todd Haynes; Kamera: Maryse Alberti; Schnitt: James Lyons; Musik: Carter Burwell; Darsteller: Christian Bale, Jonathan Rhys Meyers, Ewan McGregor, Toni Collette, Eddie Izzard. 35mm, Farbe, 124 min

Erste Worte: "Dies ist ein Werk der Fiktion. Nichtsdestotrotz sollte es mit maximaler Lautstärke gespielt werden." Dann sprühen die Funken, eine rasende Bewegung erfasst die Bilder und die Straßen. Wilde Kinder toben durch die Stadt, und Brian Enos Hymne "Needle in the Camel's Eye" sagt ihnen das Tempo an. Das Glück ist elektrisch und britisch, ironisch und bisexuell – und es trägt den Namen "Glam Rock", ca. 1971. Eine journalistische Recherche à la Citizen Kane dient dem Film als Erzählgerüst: 1984 soll ein Reporter herausfinden, was aus dem einstigen Jugendidol Brian Slade geworden ist – eine Suche nach der verlorenen Zeit, denn aus der Perspektive des Orwell-Jahrs, Höhepunkt der konformistischen Reagan-Epoche, erscheinen die Glam-Jahre ferner und schöner denn je. Der Film greift die Glam-Implikationen auch stilistisch auf. "Ch-ch-ch-ch-changes" – hinaus aus der Fülle von Psychologie und Wirklichkeitsnachbau, hinein in selbstgemachte Biografien und Geschichte-als-Popfiktion: die schwulen Söhne der Arbeiterklasse als Art-School-Studenten als Dandy Darlings der Popindustrie als (vom Himmel) gefallene Engel. Velvet Goldmine ist politisches Kino zum Träumen. (A.H.)

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