Klassenverhältnisse

Klassenverhältnisse (1983)

Regie, Drehbuch: Jean-Marie Straub, Danièle Huillet nach „Der Verschollene“ von Franz Kafka; Kamera: W. Lubtchansky, C. Champetier, C. Pollock; Darsteller: Christian Heinisch, Mario Adorf, Laura Betti, Harun Farocki. s/w, 126 min, Dt. OF
 
Eine sehr werktreue Adaption von Franz Kafkas „Amerika“-Fragment. Der junge Karl ist wegen der Affäre mit einem Dienstmädchen aus Deutschland weggeschickt worden, in die USA. Sein Onkel, ein Senator, nimmt ihn zunächst bei sich auf, verstößt ihn aber, nachdem er sich widersetzt. Auf dem Weg nach San Francisco findet Karl eine Anstellung als Liftboy in einem Hotel, wird aber wegen eines Regelverstoßes entlassen und muss fliehen. Schließlich bewirbt er sich auf ein Plakat hin bei den Schaustellern des „Naturtheaters von Oklahoma“. Einer der seltenen Fälle, bei denen sich Straub/Huillet einem berühmten Stoff zuwenden - mit bestechendem Resultat: In schönen, klaren, nüchternen Bildern inszenieren sie (ganz titelkonform) Klassenverhältnisse mit Betonung auf Kafkas exakter Beobachtung gesellschaftlicher Bedingungen. Sie verzichten völlig auf ein filmisches Nachäffen der alptraumhaften Qualität seiner Texte und erschließen damit erfolgreich einen neuen Kino-Zugang zum Autor. Ein großer, kristallklarer Film. (C.H.)