Chronik der Anna Magdalena Bach

Chronik der Anna Magdalena Bach (1967)

Regie, Drehbuch: Jean-Marie Straub, Danièle Huillet nach dem Nekrolog von Philip-Emmanuel Bach und Briefen von J.S. Bach; Kamera: Ugo Piccone, Saverio Diamanti, Giovanni Canfarelli; Musik: J.S. Bach, Leo Leonius; Darsteller: Gustav Leonhardt, Christiane Lang-Drewanz, Joachim Wolf. s/w, 94 min, Dt. OF
 
Eine Filmbiografie über Kunst-als/und-Arbeit, ein asketisches Gegenstück zum grassierenden Geniekult einschlägiger Kinogenres. Chronik der Anna Magdalena Bach ist ein lange gehegtes, schon vor dem Debütfilm geplantes Wunschprojekt von Straub/Huillet, das aufgrund von Finanzierungsproblemen warten musste. (Kompromisszwangsangebote, darunter die Mitwirkung von Curd Jürgens oder - bei garantierter Budgetverdoppelung - Herbert von Karajan als Bach lehnten die Filmemacher kategorisch ab.) Das Resultat: eine Chronik der laufenden Ereignisse eines bürgerlichen Lebens, geschildert aus der Perspektive der Ehefrau, oft strikt berichtend (mit zitierten Briefen, Zeugnissen, Kantatentexten), von kurzen Spielszenen unterbrochen, der größte Teil jedoch lange Einstellungen vom Musizieren. Deren Kargheit und Präzision bahnt einer delirierenden, quasi-religiösen Kraft den Weg. Straub: „Ausgangspunkt war die Idee, einen Film zu versuchen, in dem man Musik nicht als Begleitung, nicht als Kommentar, sondern als ästhetische Materie benutzt.“ (C.H.)