Nénette et Boni

Nénette et Boni (1996)

Regie: Claire Denis; Drehbuch: Denis, Jean-Pol Fargeau; Kamera: Agnès Godard; Musik: Tindersticks; Darsteller: Grégoire Colin, Alice Houri, Vincent Gallo, Valéria Bruni-Tedeschi, Jacques Nolot. Farbe, 103 min, Frz. OmdU
 
Ein im siebenten Monat schwangeres Teenager-Mädchen flieht aus dem Internat zu ihrem entfremdeten Bruder, einem 19jährigen Pizzabäcker, der sich hauptsächlich sexuellen Tagträumen, vor allem über die Bäckerin, hingibt. (Alice Houri und Grégoire Colin spielten für Denis schon in US Go Home ein Geschwisterpaar.) Der Traumwelt und der Sehnsucht räumt Denis in dieser sanften, schwebenden Fantasie mehr Platz ein als je zuvor - als Gegenpol zur desillusionierenden Wirklichkeit im nasskalten Marseilles. Aber die Trennlinien sind bewusst unscharf, die Charaktere treiben zur melancholischen Musik der Tindersticks ins Innere, vielleicht auch, um der Erkenntnis zu entgehen, dass sie sich in einem Alptraum befinden. James Quandt: „Les Enfants terribles werden mit der furchtbaren Aussicht konfrontiert, Les Parents terribles zu werden.“ In einer der schönsten Szenen des Denis-Werks halten die Beach Boys dagegen: „God only knows what I’d be without you.“ (C.H.)