Judge Priest

Judge Priest (1934)

Regie: John Ford; Drehbuch: Dudley Nichols, Lamar Trotti; Kamera: George Schneiderman; Musik: Cyril J. Mockridge; Darsteller: Will Rogers, Henry B. Walthall, Tom Brown, Anita Louise, Rochelle Hudson. s/w, 81 min, Engl. OF
 
Wie so oft im Werk Sean O’Feeneys alias John Ford: nicht das reale Amerika, vielmehr sein Land - ein nostalgischer Traum, vielleicht eine Utopie, gemalt mit passionierter Palette aus Lust, Wärme und atmosphärischer Komik. Kleinstadt im Old South, dösend im Sommernachmittagssonnenlicht. Die Vergangenheit und das Reich der Toten gewinnen wunderliche Macht in Judge Priest, als farbiger Schatten des Civil War oder als liebende Erinnerung Will Rogers’, schrulligen-mutigen Richters, der das Grab seiner Frau gleich einem Quell aus Wehmut und Inspiration aufzusuchen pflegt. Weniger Gerichtssaalkino als ein Ford-Film über das Recht oder das Richtige - also gegen Mob, Lynchen und rassistische Feigheit. Auch ein Märchen vom guten Richter, der auf der Seite der outfits steht, weil er selbst Außenseiter ist. Und eine entspannte Blütenlese in Ford’scher Americana, individuell und dennoch ganz im dichten Sprachrahmen einer Volkskunst namens Hollywoodkino. (Harry Tomicek)