Programmarchiv

Jan | Feb 2017

Filmmuseum ist. So all souls can see it

Plakat Sizilien
Unlängst kam in Paris, bei einer Konferenz über die Zukunft des "kinematografischen Erbes", die Frage aus dem Publikum, wie das Österreichische Filmmuseum den Begriff der Utopie Film auslegt. Die scheinbar beste Antwort stand leider nicht zur Verfügung: Ich wollte gern, sekundenschnell, das gesamte Geschehen in unserem Haus zur Auffaltung bringen – die Praxis von 52 Jahren Filmmuseum in einem einzigen plastischen Bild. Denn das angeschaute Tun ist stets überzeugender (oder sollte es sein) als das Reden darüber.

Andererseits ist die konkrete Praxis kein Special Effect; sie beruht auf vielgliedriger Zusammenarbeit, auf historischer Erfahrung und auf Überzeugungen, die daraus resultieren. Weshalb ich in Paris andere Antworten gab. Zum Beispiel über unser Ziel, der Wahrnehmungsform Respekt zu erweisen, in der ein Film die Welt betreten hat. Oder über den Versuch, beim Ausstellen, Sammeln und Vermitteln von Film dessen radikal verschiedenen Gattungen gleichermaßen Raum zu geben. Ernst zu nehmen, "was an Versprechen in der Filmgeschichte enthalten ist" (Alexander Kluge).

And I'll tell it and think it and speak it and breathe it / And reflect it from the mountain so all souls can see it. Das hatte sich Robert Zimmerman 1962 vorgenommen, und seit 1964 tut es ihm das Filmmuseum gleich. Mit dem Unterschied, dass es bei ihm um die eigenen Werke ging und geht; bei uns hingegen um eine bescheidenere und zugleich umfangreichere Aufgabe: die Werke anderer Menschen so zu überliefern, dass ihre jeweilige Wirklichkeit erkennbar bleibt. Der Reflektor ist bei uns kein Berg, sondern eine Leinwand. In dem Raum davor soll man – immer aufs Neue, im Jetzt der Projektion – sehen und hören können, was das Kino erzählt, gedacht, gesagt und geatmet hat.  

Alexander Horwath

Dank Für ihre Hilfe bei der Realisierung des Jänner-Programms danken wir:
Carmen Accaputo (Cineteca di Bologna); Aldijana Bećirović (Filmarchiv Austria); Elena Beltrami (La Cineteca del Friuli); Clara Bencivenga-Trillmich, Eugenio Quarantini, Antonella Olivetto (Istituto Italiano di Cultura); Molly Clarke; Maria Coletti (Centro Sperimentale di Cinematografia – Cineteca Nazionale); Johan Ericsson (Swedish Film Institute); Rosaria Folcarelli, Monica Moscato (Istituto Luce – Cinecittà); Dana Gillespie; Herbert Hayduck, Ruth Stifter-Trummer, Martin Prucha (ORF); Christian Höller; Michael Jurich (Filmhaus Saarbrücken/MOP-Distribution); Diana Kluge, Julia Riedel (Deutsche Kinemathek); Friedl Kubelka; Peter Kubelka; Bernd Kuhn (Arsenal Filmverleih); Waltraud Loges (British Film Institute); Varja Močnik, Darko Štrukelj (Slovenska kinoteka); Olaf Möller; Walter Moser (Albertina); Garbiñe Ortega; Tony Oursler; André Schäublin, Carina Carballo (Cinémathèque suisse); Vincenzo Scuccimarra; Gavin Smith; Carsten Spicher (Internationale Kurzfilmtage Oberhausen); Jean-Marie Straub; Barbara Ulrich; Klaus Volkmer, Stephanie Hausmann (Filmmuseum München)

Filmtexte Christian Höller, Rui Hortênsio da Silva e Costa, Christoph Huber, Olaf Möller, Harry Tomicek