The Stranger

The Stranger (1946)

Regie: Orson Welles; Drehbuch: Anthony Veiller, Victor Trivas, Decla Dunning, John Huston (ungenannt); Kamera: Russell Metty; Musik: Bronislaw Kaper; Darsteller: Orson Welles, Edward G. Robinson, Loretta Young. 35mm, s/w, 97 min

 
An der Harper-School unterrichtet Prof. Charles Rankin. Sein Fach: Geschichte. Seine Leidenschaft: Uhren. Sein wahrer Name: Franz Kindler, NS-Verbrecher. Eine gefälschte Existenz. Die Jagd nach dem faker führt in schwindelnde Höhen, aufs Gesims der Kirchturmspitze. Eine Umlauffigur des Glockenspiels spießt den Uhr-Fetischisten aufs Schwert: die Turmuhr als Racheengel. Im Zweifelsfall wählt Welles filmend nie das Subtile, vielmehr die expressive Überwältigung. The Stranger bewegt sich stilistisch an der Grenze zum Barocken: überlebensgroß, über die Maßen verliebt in Affekte und Effekte – zutiefst kinohaft. In seiner Phantastik ist Orson Welles nicht selten vulgär, in seiner Vulgarität fast immer phantastisch. The Stranger demonstriert dies klarer als andere Welles-Werke, in denen der Sog virtuos visueller Erfindung wie Rauschgift wirkt. (H.T.)

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