Chinesisches Roulette, 1976, Rainer Werner Fassbinder (©Rainer Werner Fassbinder Foundation)

Chinesisches Roulette (1976)

Regie, Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder, Kamera: Michael Ballhaus, Musik: Peer Raben, Darsteller: Margit Carstensen, Anna Karina, Alexander Allerson, Ulli Lommel, Andrea Schober, Brigitte Mira, Macha Méril, Volker Spengler, Armin Meier. 35mm, Farbe, 86 min
 
Fatale Familienaufstellung im Ferienschlösschen. Ein reiches Ehepaar verabschiedet sich für getrennte Geschäftsreisen voneinander, um auf dem gemeinsamen Landsitz wieder aufeinander zu stoßen, in Begleitung der jeweiligen Liebhaber. Man gibt sich gleichgültig, doch mit dem Eintreffen der gehbehinderten, rachsüchtigen Tochter (samt stummer Erzieherin) bröckelt die Fassade: Beim Chinesischen Roulette, einem manipulativen Wahrheitsspiel, das Fassbinder selbst gern seiner Entourage aufnötigte, sagt man, was man voneinander hält – und der aufgestaute Hass bricht sich Bahn. Fassbinder und Michael Ballhaus machen die Kamera zum Hauptdarsteller des Chabrol’schen Bürger-Reigens giftiger Gefühle und falscher Posen: die Gruppendynamik der Niedertracht wie unter Glas, als atemberaubend schöne Choreografie hypnotischer Umkreisungen in trügerischen Spiegelflächen. Mittendrin eines von Fassbinders geheimnisvollsten Tableaus: ein ungelenker Krückentanz zu Kraftwerks "Radioaktivität". (C.H.)

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