Anima Persa (Verlorene Seele), 1977, Dino Risi (Foto: Cinémathèque suisse)

Anima Persa (Verlorene Seele)

Regie: Dino Risi; Drehbuch: Dino Risi, Bernardino Zapponi nach Un'anima persa von Giovanni Arpino; Kamera: Tonino Delli Colli; Schnitt: Alberto Galliti; Musik: Francis Lai; Darsteller: Vittorio Gassman, Catherine Deneuve, Danilo Mattei. 1977, 35mm, Farbe, 102 min. Italienisch mit engl. UT
 
Venedig, die alte Dame mit Mundgeruch: So wird der phänomenal gefilmte Schauplatz dieses enigmatischen Films zu Beginn beschrieben. Durch den schummrigen Schein der gespenstischen Fenster kann der junge Tino die Salons der Palazzi nur erahnen. Für sein Kunststudium zieht er bei seiner Tante Elisa (Catherine Deneuve) und ihrem Mann Fabio Stolz (Vittorio Gassman) ein. Während Elisa ein melancholisches Leben führt, unterdrückt sie der Hölderlin rezitierende k.u.k.-Nostalgiker Fabio mit Sexismus und Tyrannei, selbst wenn er scheinbar nicht da ist. Und was hat es mit dem Zimmer auf sich, das Tino nicht betreten darf? Risis Untersuchung frustrierter Sexualität im Postfaschismus schildert die Unmöglichkeit, der Gesellschaft und ihren Sünden zu entkommen. Dadurch zeigt er, unterstützt von der meisterhaften Bildsprache von Tonino Delli Colli, der auch bei Pasolinis Decameron Kamera führte, das volle Grauen der Bourgeoisie und die ewigen Phobien des italienischen Mannes. (I.M.)
 
Courtesy of Cinecittà