Joe Dante

Joe Dante am Set von Gremlins, 1984 (Foto: Renfield Productions)

27. September bis 13. Oktober 2013

 

Gäbe es Joe Dante nicht, dann hätte ihn eine Gruppe aufgeklärter Cinephiler erfunden. Seine Filme musste es einfach geben, denn sie verkörpern all das, was sich Generationen Kinoliebender von jedem Lichtspiel erhofften: intelligent-mitfühlende, auch ein bisschen verspielt erzählte Geschichten über ganz gewöhnliche Mitmenschen, ­denen Staunenswertes widerfährt – von ­einer Reise durch die Blutbahn bis zu einem Spielzeugkrieg. Und dazu gibt „Sante Dante“ seinem Publikum stets realpolitisch Bedenkenswertes mit auf den Weg: Nur wenige US-auteurs haben sich so explizit über den Zustand der Nation geäußert, die Machenschaften im militärisch-industriellen Komplex angeprangert, der Mittelklasse ihre Neurosen und Psychosen vorgeführt. Joe Dante demonstriert aufs Schönste: dass sich Massenvergnügen, Volksbildung und politische Subversion in eine harmonische Form bringen lassen.
 
Joe Dante wurde 1946 in Kleinstadt-New Jersey geboren, drei Wochen vor Steven Spielberg, zu dessen Karriere die seine in spannender (und oft sehr kontrastreicher) Beziehung steht. Um Dantes Kindheit zu imaginieren, genügt es, seinen wunderbaren, semi-­autobiografischen Film Matinee (1993) zu sehen: Auch Klein Joe saß ständig im Kino und schaute Monsterfilme, Klassisch-Ikonisches aus dem Hause Universal ebenso wie rauere Ware aus ­weniger prestigeträchtigen Schmieden – Hauptsache, man gruselte sich. Stolze wie augenzwinkernde Verweise darauf durchziehen auch sein Œuvre – in The Howling (1981), dem besten Werwolf-Film aller Zeiten, trägt fast jede Hauptfigur den Namen eines ­Genies aus der zweiten Reihe, während auf dem Friedhof in Homecoming (2005) ausgesucht Zombie-affine Regiemeister ruhen; die Auftritte von Axiomen dieser Kultur wie etwa Forrest J. Ackerman oder Roger Corman sind Legion.
 
Comics waren Dantes zweite Leidenschaft – sein erstes MAD-Heft z. B. (die Nr. 11) erwies sich als regelrecht lebensverändernde Erfahrung. Dass er eine tiefe Liebe zu den Cartoons der Warner Bros., speziell zum Schaffen von Chuck Jones kultivieren würde, ist da nur folgerichtig: Sind nicht Alfred E. Neumann und Daffy Duck eigentlich Zwillinge? Im Alter von 13, 14 verband Dante diese Interessen zu Kinderzimmer-Filmen auf rollendem Papier: In seinem „Shoebox Theater“ wurden gezeichnete Bilderfolgen mit Titeln wie Fort Death oder The Spook Meets the Spider durch den Guckkasten gezogen. Mit 18, am Philadelphia College of Art, musste er jedoch feststellen, dass man Comics-Kunst nicht studieren konnte – und wurde Filmemacher.
 
1966 ließ er gemeinsam mit seinem Kommilitonen Jon Davison die erste Version von The Movie Orgy auf die Menschheit los: ein nachtfüllender Found Footage-Trip, den sie aus allen möglichen Filmprodukten wenig respektabler Art zusammenbastelten. Dank Davison landete Dante dann auch bei Roger Cormans New World Pictures – angeblich wurde die Trailer-Abteilung des Hauses nur gegründet, damit Dante etwas zu tun hatte. 1976 entstand ebendort, in Co-Regie mit Allan Arkush, sein erster Langfilm, Hollywood Boule­vard – zum Teil aus Fragmenten ­früherer Corman-Filme gefügt. ­Seine erste Soloregiearbeit folgte zwei ­Jahre später: Piranha, die bis dato erfolgreichste New-World-­Produktion. Mit The Howling gelang Dante der große Durchbruch, mit Gremlins (1984) wurde er zum Star. Und in Gremlins 2: The New Batch (1990) demonstrierte er, dass man mit sardonischen Kleinmonstern auch politische Essayfilme fürs Multiplex machen kann.
 
Aber was heißt schon Erfolg in Hollywood, wenn man seinem Gewissen folgen will? In den letzten zwei Dekaden wurde es immer schwieriger für Dante, Kinofilme zu realisieren. Meisterwerke wie Small Soldiers (1998) und Looney Tunes: Back in Action (2003) stießen auf geballte Indifferenz; seine 3D-Teen-Horror-Solaris-­Variation The Hole fand jahrelang keinen Verleih, da der Film in ­keine Schublade passte. Dennoch macht Dante weiter, nützt jede Nische, die sich ihm bietet, ob im Fernsehen (das einige seiner Hauptwerke wie The Second Civil War oder Homecoming finanzierte) oder im Internet. Denn er hat viel zu sagen über die condition humaine und will das weiterhin so tun, dass sich jeder in seinen ­Figuren, in deren Sorgen und Träume wiedererkennen kann – von der Tiroler Publizistikstudentin-Teilzeitbardame bis zum Autoschlos­ser aus Mubi, Nigeria. Und wann immer möglich, sollen Werwölfe, Zombies und der Tasmanische Teufel mit dabei sein.
 
Eine gemeinsame Veranstaltung des Österreichischen Filmmuseums, des /slash Filmfestivals und der Slovenska kinoteka in Ljubljana. Joe Dante wird in Wien zu Gast sein und für ­Gespräche beim Festival und im Filmmuseum zur Verfügung stehen. Das neue FilmmuseumSynema-Buch über sein Schaffen wird zur Eröffnung der Schau vorgestellt. 
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