Filmdokumente zur Zeitgeschichte:

Es lebe der Sport

Die Maifeier der Wiener Arbeiterschaft, 1923

25. Mai 2008
 
Die Reihe Filmdokumente zur Zeitgeschichte fokussiert im Jahr 2008 einmal monatlich auf rare Archivmaterialien zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Gästen aus verschiedensten Disziplinen werden filmische Überlieferungen von zentralen Ereignissen und Entwicklungen im historischen, produktionsgeschichtlichen und filmästhetischen Kontext analysiert. Im Zentrum des Programms steht das Spannungsverhältnis von Film und Geschichte – Film als Zeugnis historischer vergangener Begebenheiten und zugleich als ästhetische Stellungnahme zur Welt.
 
Sport als „Arbeit an sich selbst“, seine soziale Distinktionsfunktion und die gemeinschaftsstiftende Kraft von Körperkultur sind spätes­tens seit den Studien von Michel Foucault und Pierre Bourdieu ­erstrangige Themen der kulturwissenschaftlich orientierten Geschichtswissenschaft. Als Massenkultur bieten Sportveranstal­tungen Unterhaltung und Zerstreuung für den urbanen Massen­menschen; ihre Darstellung in Literatur, Presse und im Laufbild wird vor allem von den politischen Blöcken der Ersten Republik, des „Ständestaats“ und der NS-Diktatur als Machtdemonstration und identitätsstiftendes Moment genutzt.
 
Auch Filmdokumente aus der Nachkriegszeit offerieren – über die „Karl-Schranz-Affäre“ und Cordoba hinaus – vielfältige Perspektiven auf Fragen der Körper­kultur und der gesellschaftsformenden Funktion von „Leibes­­erziehung“.
 
Das Programm bringt Filmdokumente von Sportereignissen im Kontext von Filmgeschichte (Spektakel Sport, Kinetik, Körperlichkeit), urbaner Mentalitätsgeschichte (Sport als Massen- und Demonstrationskultur) und politischer Geschichte zur Anschauung und Diskussion. (Michael Loebenstein, Siegfried Mattl)