Filmmuseum on location:

"Was vom Kino übrig blieb", eine Ausstellung

li: Kurt Kren, 1994, beim Casting für "Before Sunrise" (Foto: ÖFM / © Regina Schlagnitweit) / re: Lederjacke aus dem Nachlass von Kurt Kren, ca. 1975 (Foto: ÖFM/Synema© Robert Newald)
Filmmuseum ist auch: "Klumpert", Abfall der Film- und Kinogeschichte. So wie Abfallhaufen den Archäologen Aufschlüsse über die Alltagskultur und Gewohnheit prähistorischer Bevölkerungen erlauben, so eignen sich die physischen "Nebenprodukte" der Filmgeschichte, Schlaglichter auf das Kino als gesellschaftliche und technologische Fantasie und globale Industrie zu werfen.

In ihrer Themenausstellung im Grazer Künstlerhaus stellen die Kuratoren Sandro Droschl und Norbert Pfaffenbichler gegenwärtigen künstlerischen Positionen zum "Komplex Kino" Vermächtnisse aus privaten und institutionellen Sammlungen gegenüber: Ruinen und Tonscherben, die der "Kosmos Kino" hinterlassen hat. Ein beträchtlicher Teil kommt aus den nicht-filmischen Sammlungen des Filmmuseums: Auswertungsmaterialien wie Sammelalben und Klebebildchen, Filmreste und Fan-Devotionalien, Gipsbüsten, Uniformen von Kinoklubs und vieles mehr. In der Kollision mit zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten stellen die Kuratoren – nicht ohne Ironie – grundlegende Fragen zum "Ort" des Kinos im kulturellen Imaginären der Gegenwart. Jetzt, da die massengesellschaftliche Relevanz, die das Leitmedium Film im 20. Jahrhundert innehatte, der Vergangenheit angehört, treten andere Fragen in den Vordergrund: nach den Gründen für die anhaltende Faszination des Films für die bildenden Künste; nach der Attraktivität der konkreten Materialität des Filmmediums im Gegenüber einer von digitaler Ubiquität geprägten Konsumkultur; nach den Wurzeln der Liebhabereikultur der gegenwärtigen sozialen Medien in der Hobby- und Sammlerkultur, welche die Filmindustrie schon von früh an kultivierte.

Die Ausstellung ist von 10.2. bis 22.4.2018 im Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien in Graz zu sehen und findet in Kooperation mit der Diagonale – Festival des österreichischen Films und dem Österreichischen Filmmuseum statt. Am Donnerstag, den 1.3., 18 Uhr werden Michael Loebenstein und Paolo Caneppele (Filmmuseum) einen Vortrag halten: "Zwischen Detritus und Überrest: das Treibgut des Filmes".
Zusätzliche Materialien

Programm: