Forschungsprojekt, Onlinepublikation und Präsentation

Treibgut: Colin Ross

Colin Ross, 1926
3. Dezember 2017

Er war neben Egon Erwin Kisch der bekannteste Reisereporter der Weimarer Republik, der Ruf seiner Kulturfilme reichte von London bis Moskau. Der in Wien geborene Colin Ross (1885-1945) war drei Jahrzehnte lang einer der erfolgreichsten Reisefilmer und -schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Inzwischen ist er – auch aufgrund seines Engagements für den Nationalsozialismus ab 1933 – weitgehend vergessen. Ein Forschungsprojekt am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft hat den Ein-Mann-Reisemedienverbund Colin Ross in den letzten zwei Jahren als populärkulturelles Phänomen seiner Zeit untersucht.

Ausgangspunkt des Projekts war der filmische Nachlass von Colin Ross, den seine Tochter in den 1980er Jahren dem Österreichischen Filmmuseum übergeben hat. Darunter befinden sich auch bislang unbekannte Aufnahmen einer Amerikareise aus den späten 1930er Jahren, die nie Eingang in einen Film gefunden haben. Ein großer Teil des Nachlasses konnte im Rahmen des Projekts analog gesichert und digitalisiert werden.

Auf der Website Mapping Colin Ross (www.colinrossproject.net) sind diese Filmmaterialien nun zugänglich und werden in einer Online-Ausstellung einem doppelten Mapping unterzogen: Zwei Reisen werden auf einer Landkarte nachgezeichnet, 13 zentrale Themen bilden eine Mind Map, die diese zwei Reisen mit dem geopolitischen Diskurs und der Vortragstätigkeit von Colin Ross verbindet. Ausstellungsobjekte sind Filmaufnahmen, Zeitungsartikel, Buchkapitel und andere Dokumente. Nicht immer ist die Leinwand der bestmögliche Ausstellungsort.

Das vom FWF – Der Wissenschaftsfonds geförderte Projekt Welterkundung zwischen den Kriegen: Die Reisefilme des Colin Ross (1885-1945) wurde von Nico de Klerk geleitet. Die Website Mapping Colin Ross wurde von Joachim Schätz und Ingo Zechner konzipiert, Web Design: kraftwerk | Agentur für neue Kommunikation, Texte und Materialien: Nico de Klerk, Kristin Kopp, Joachim Schätz, Katalin Teller.