Nach dem Großen Krieg
Filme von Fritz Freisler und James Whale

Der Mandarin, 1918, Fritz Freisler
23. und 26. Februar 2018
 
"Der Erste Weltkrieg", schrieben Elisabeth Büttner und Christian Dewald in Bezug auf das Kino nach 1918, "teilt die Zeitrechnung in zwei Epochen. Die Beziehungen, die Wahrnehmung, das Denken sind grundsätzlich erschüttert, müssen sich neu zusammensetzen." Aus Anlass des Jubiläumsjahres von 1918/1938 zeigen wir zwei Filme, die davon sprechen, wie der Krieg in den Köpfen und in den Körpern fortdauert.

Der Mandarin, eine erst 2004 wiederentdeckte Großproduktion der österreichischen Sascha-Film aus dem letzten Kriegsjahr, erzählt die Tragödie eines Libertins, der sich mit Hilfe einer Talisman-Figur die Hörigkeit der Damen erschleicht. Ein prä-caligaristisches Wiener Psychodrama mit Special Effects, das im Wahnsinn endet: Steinhof, Ende 1918; der Weltkrieg ist vorbei und setzt sich fort im Düsterfilm.

The Road Back, ein Sequel zum aufsehenerregenden Weltkriegsdrama All Quiet on the Western Front, wurde aufgrund grober Eingriffe des Studios Auftakt von Zerwürfnissen zwischen Regisseur James Whale (Frankenstein, Bride of Frankenstein) und seinem "Stammhaus" Universal. In der Restaurierung der ursprünglichen Schnittfassung gilt es nun einen Film wiederzuentdecken, der in langsamem Tempo und getragen von der visuellen und klanglichen Künstlichkeit seiner Studiosettings von der unmöglichen Rückkehr deutscher Soldaten ins Heimatdorf erzählt. Der soziale Zusammenhalt ist weg, und auf die Hungernden wird in unerbittlicher Konsequenz geschossen. Das melancholische Fazit: Wer im Dienste des Reichs das Töten gelernt hat, wird wieder töten. Nach dem Krieg ist hier auch Antizipation des nächsten Krieges.