Treibgut: Was vom Kino übrig bleibt

Täydellisen pimennyksen vyöhyke (Die Zone der totalen Finsternis), 2006, Mika Taanila
19. März 2018

Anlässlich der von Sandro Droschl und Norbert Pfaffenbichler konzipierten Ausstellung Was vom Kino übrig blieb, zu sehen im Grazer Künstlerhaus, widmen wir diesen Abend schwerpunktmäßig Fundstücken und Werken, die aus nicht realisierten bzw. gescheiterten Projekten hervorgingen. Denn selbst Filme, die nicht zustande kommen, produzieren Film – Skizzen und Fragmente, die neben dem Stückwerkwust existieren, den der Zeitfraß mit sich bringt, hier verkörpert durch Homunculus, 5. Teil: Die Vernichtung der Menschheit.
 

Robert Aldrichs The Greatest Mother of 'Em All etwa blieb im Finanzierungsstadium stecken. Vom Animationsfilmvorhaben Le Couple insatiable wiederum existieren allein diese Näherungsskizzen. Piejūras klimats wäre wahrscheinlich ein Meisterwerk des sowjet-lettischen Kinos geworden – wenn nicht Be hörden die Produktion gestoppt und das Material fast vollständig zerstört hätten; achtzehn Jahre später nahm sich Rolands Kalniņš die noch aufzufindenden Reste vor und gestaltete aus ihnen einen Zenotaph für seine verlorenen Illusionen. Mika Taanilas Doppelprojektionswunder Täydellisen pimennyksen vyöhyke schließlich lässt hoffen: Selbst aus den Resten eines gescheiterten wissenschaftlichen Experiments kann noch Schönheit werden – dito aus einem ab gebrochenen Spielfilm ein delirierendes Metakino-Feuerwerk wie Gregory La Cavas His Nibs, in dem Chic Sale die gesamte Menschenschar, welche ein Kinopublikum ausmacht, spielt – und zudem einen Part in He Fooled 'em All innehat, dem Film auf der Leinwand. Letzterer besteht dann wieder aus Fragmenten von Al Christies unvollendetem A Smart Aleck (1920), die Löcher im Gewebe stopft das tratschende Publikum.