Premiere:

"La Fille du RER" von André Téchiné

La Fille du RER

27. und 29. November 2010
 
Unter all jenen Filmemachern, die um 1970 das Erbe der Nouvelle Vague antraten, ist André Téchiné neben Maurice Pialat der hartnäckigste geblieben. Er ließ sich nicht marginalisieren oder ins Eck des „Kunstfilmers“ drängen, er suchte immer aufs Neue – und oft sehr erfolgreich – den Kontakt zum breiten Publikum in Frankreich. Trotz Starbesetzungen und vielfältiger Anleihen bei populären Genres wie Gangsterfilm (Les Voleurs), Melodram (Rendez-vous), historischem Biopic (Les Sœurs Brontë) oder Jugenddrama (Les Roseaux sauvages) entpuppt sich sein Werk als eine herbe, unsentimentale und sehr persönliche Diagnose des zeitgenössischen Daseins in Europa – durchgeführt mit kinematografischer Passion.

 
Téchinés jüngster Film, mit Catherine Deneuve und Émilie Dequenne (Rosetta) in den Hauptrollen, darf als Musterbeispiel für diese Verbindung aus Gegenwartsbeobachtung und erzählerischer Intensität gelten: La Fille du RER (2009) erzählt die (wahre) Geschichte einer ambitionslosen jungen Frau, die sich zum Opfer eines (eingebildeten) antisemitischen Überfalls im Pariser Vorstadt-Schnellzug RER stilisiert. Ihre Suche nach einem Platz in der Gesellschaft kreuzt Téchine mit Erzählfäden aus anderen Klassen und Generationen – ein hochdynamisches Gewebe der (Rollschuh-, Eisenbahn-, Auto-) Bewegungen, entworfen mit großem visuellen Flair.
 
„La Fille du RER“ wird in Österreich keinen Kinostart erleben. Das Filmmuseum präsentiert Ende November die einzigen beiden Vorstellungen des Films.