Das Unsichtbare Kino
Film, Kunst, Geschichte und das Museum

Standard Gauge, 1984, Morgan Fisher (Courtesy Morgan Fisher)

25. bis 29. November 2014


Vorträge und Gespräche: Nicole Brenez, Chris Dercon, Noam M. Elcott, Daniel Fitzpatrick, Lars Henrik Gass, Siegfried Mattl, Winfried Pauleit und Jacques Rancière

Verschwindet mit dem Film eine Art Sinnbild eines langen 20. Jahrhunderts? Und können seine Produktions- und Wahrnehmungsweisen, seine veränderten Begriffe von Kunst und Geschichte in einem Filmmuseum aufgehoben werden?

„Der Ausstellungsort eines Filmmuseums ist die Leinwand.“ 1964, im Gründungsjahr des Österreichischen Filmmuseums von Peter Kubelka formuliert, ist dieses avantgardistische Motto zum 50. Geburtstag mehr denn je ein Distinktionsmerkmal gegenüber anderen Museen – vor allem, aber nicht nur, solchen des Films. Von ihnen unterscheidet es sich, indem es Museum und Kino unauflöslich verschränkt. Kino steht dabei gleichermaßen für einen spezifischen Ort wie für eine inzwischen historische Technologie: für den abgedunkelten Kinosaal wie für die Kinematografie im Ganzen. In Kubelkas Sinn ist das Unsichtbare Kino der Ausstellungsort, der sich selbst zum Verschwinden bringt: Black Box statt White Cube. Auch ist es jener Teil der Technologie, der in der Filmvorführung meist verborgen bleibt, um den Film als Ereignis erfahrbar zu machen: die Projektionstechnik, das maschinelle Gefüge von Mensch, Projektor und Filmstreifen. Seit jeher Sammlungsobjekte eines Filmmuseums, werden letztere in ihm auch dann nicht zu musealen Artefakten, wenn der Film – wie heute – bereits zu einem historischen Medium geworden ist.

Als neue Kunst, die oft keine sein wollte, bildete der Film (in Siegfried Kracauers Worten) einen gemeinsamen „Vorraum“ mit der Geschichte: Film war mit seinem Realitätsgehalt ein neuartiges historisches Zeugnis und schrieb selbst Geschichte in neuer Weise. Darüber hinaus war er Spektakel- und Unterhaltungsmedium, Werkzeug politischer Militanz und politischer Repression, ein Mittel der Erfahrungs- und Wissensproduktion in vielen weiteren Domänen, in denen „Hohes“ und „Niedriges“, „Reines“ und „Unreines“ miteinander verstrickt sind.
 

Ironischerweise überdauert der Film als Synonym für jegliche Form von Bewegtbildern, die ihn abgelöst haben – als unsichtbares Kino, aus dem der Film als solcher verschwunden ist. Wie kann man ihn und was kann man mit ihm immer noch sichtbar machen?

Das Unsichtbare Kino ist eine gemeinsame Veranstaltung des Filmmuseums und des IFK – Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften. Der Eröffnungsvortrag von Siegfried Mattl (25.11.) sowie das vertiefende Seminar mit Jacques Rancière (29.11.) finden im IFK statt, alle anderen Vorträge und Gespräche (26. bis 28.11.) im Filmmuseum.

In der Ausgabe Nummer 15 des kultur- und filmwissenschaftlichen Online-Magazins
Nach dem Film werden seit Jänner 2017 die Texte und Transkripte dieser Reihe dauerhaft zugänglich gemacht.

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