Une femme douce

Une femme douce (1969)

Regie: Robert Bresson; Drehbuch: Bresson nach der Erzählung „Die Sanfte“ von F.M. Dostojewski; Kamera: Ghislain Cloquet; Musik: Jean Wiener, Henry Purcell, W.A. Mozart; Schnitt: Raymond Lamy; Darsteller: Dominique Sanda, Guy Frangin, Jane Lobre, Claude Ollier. 88 min, OmeU
 
Bressons Kunst ist eine des Aussparens: Seine Filme sind waghalsige elliptische Konstruktionen, die in ihrer Konzentration aufs Wesentliche zugleich das Gefühl höchster Stringenz und Klarheit erwecken. In Une femme douce, Bressons erstem Farbfilm, schildert ein Mann nach dem Selbstmord seiner Frau die Geschichte ihrer Beziehung. Zumal in Bressons Filmen stets einfache Erklärungen (psychologische wie kausale) verweigert werden, ist der Versuch des namenlosen Mannes, die Tat seiner namenlosen Frau zu verstehen, zum Scheitern verurteilt, eher zeichnet sich in Une femme douce ein kühles Porträt seiner Neurosen und Defekte ab. In einer quintessentiell Bresson’schen Ironie wird die Erzählung dieses Versagens mit einem mysteriösen, unvergesslichen Bild gerahmt: Der Schal der Frau, wie er nach ihrem Todessturz in die Höhe schwebt. (C.H.)