Flaming Creatures, 1963, Jack Smith (Kadervergrößerung ÖFM)

Flaming Creatures (1963)

Ein Film von Jack Smith; Ton: Tony Conrad; mit Francis Francine, Sheila Bick, Joel Markman, Dolores Flores (i.e. Mario Montez), Arnold. s/w, 42 min

Normal Love (1963–65)

Kurzversion: Die erste Restaurierung (ca. 1990)
Ein Film von Jack Smith; mit Mario Montez, Angus MacLise, Tony Conrad, Francis Francine, Tiny Tim. Farbe, 53 min
 
Über die „Lasterhaftigkeit“ hinaus, die man ihm vorwirft, resultiert das Verstörende von Flaming Creatures vermutlich aus drei Tabu und Norm verletzenden Eigentümlichkeiten. Erstens: Außer den Momenten, in denen baumelnde Penisse und Brüste sichtbar ­werden, bleibt das Geschlecht der creatures unlesbar. Ihre übereinander herfallenden Leiber formieren einen ­einzigen wogenden, kaum entschlüsselbaren Lustkörper aus exotischen Gewändern, Blumen, Perücken, Gliedmaßen und Genitalien. Zweitens: Flaming Creatures ist Porno­graphie, die sich der Pornographie verweigert und darauf beharrt, Kunst zu sein. Keine Darsteller, die Lust und Lustgewinn simulieren, um die Lust des Zusehers zu entfachen, sondern Akteure, die ihre Lüste, bei sich bleibend, zelebrieren. Drittens: Die dargestellte Orgie der Transvestiten und Drag Queens feiert ekstatisch Vergewaltigung, Mord, Tod, iederauferstehung durch Lust. Jack Smith sucht und findet das Sakrileg. Er begeht es erausfordernd, wollüstig und ungerührt. (H.T.) Normal Love ist eine Art lyrisches Sequel zu Flaming Creatures, diesmal in üppigen Farben, ländlicher Umgebung – und unvoll­endet: Nach dem Skandal um den Vorgängerfilm stellte Smith von keinem seiner Werke eine „finale Version“ her, sondern edierte sie – oft mit Klebeband während der Projektion – regelmäßig neu oder setzte Fragmente daraus als Begleitmaterial seiner Performances ein. Die leuchtenden Überreste sind ein weiteres Zeugnis von Smiths einzigartiger Vision, einer seltsamen Mischung aus transvestierender Imitation von Hollywood-Versatzstücken, Selbst­parodie und gänzlich unironischem Glauben an die Macht des Kostüms, das den kapriolenschlagenden Selbstdarstellern eine neue, wunder­same Identität verleiht. (C.H.)

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