Gegenwart

Gegenwart (2012)

Ein Film von Thomas Heise; Kamera: Robert Nickolaus. DCP, Farbe, 68 min

Gegenwart erzählt in Bildern ohne Worte, was mit uns geschieht“, so das knappe Produktionsstatement zu diesem Schlüsselwerk Thomas Heises, in dem er bezeichnenderweise hinter die letzten Dinge blickt: Alltag im Krematorium, ganz lapidar geschildert, was – angesichts der häufigen Beschreibung technischer Abläufe – zunächst fast Sendung-mit-der-Maus-haft wirken mag, sich bei näherer Betrachtung aber als typische Heise-Analyse eines Systems zeigt, das eben nicht einfach „erklärt“ und damit als „begriffen“ abgelegt werden kann, sondern vieldeutig lesbare Bilder produziert. Ein verstörendes Detail nebenbei: das Wort „Zyklon“ auf einer Skizze der Ofenanlage. Lakonische Beschreibung eines ununterbrochenen Verarbeitungsprozesses, dessen routinierte Konsequenz so verstörend wie abstumpfend wie wirtschaftlich ist. Erst für die Coda verlässt Heise das Gelände und zeigt eine Karnevalssitzung – des Verbands der Bestatter, wie man dem Abspann entnimmt. Willkommen in der Gegenwart. (C.H.)

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