Tierische Liebe

Tierische Liebe (1995)

Ein Film von Ulrich Seidl; Kamera: Peter Zeitlinger, Michael Glawogger. 35mm, Farbe, 111 min

 

Zum Auftakt:

Madame Babylas aime les animaux (Frau Babylas liebt die Tiere) (1911) von Alfred Machin. 35mm, s/w, ca. 8 min*

 
Ulrich Seidls (notgedrungen) kältester Film. Tierische Liebe erzählt in seinen oft „ungemütlichen“ und direkten Bildern von Intimitäten zwischen Mensch und Tier, um dahinter, manchmal auch daneben, von einer Leerstelle zu künden: vom Mangel an menschlicher Zuneigung und Verständigung. Am ausgeprägtesten – weil ohne Verstellung – ist sie in den Schichten mit geringem Einkommen und niedriger Bildung zu finden; deshalb zieht es Seidl immer wieder dorthin. Mitleid, das auch Hochmut wäre, gönnt er sich und seinem Publikum nicht, stattdessen konfrontiert er uns ein letztes Mal mit der Einsamkeit seiner Protagonisten, die gnadenlos auf den Kinovoyeur zurückstarren. Tierische Liebe markiert einen Höhe- und Endpunkt seiner Aufzeichnungen menschlicher Erstarrung, dann ist der Weg frei für die widerborstigeren Protagonisten von Models und Hundstage. Zum Auftakt: Tierliebe ohne Wenn und Aber als eskalierende Stummfilmkomik. (C.H.)
 

* Print courtesy CNC – Archives Françaises du Film

Spieltermine: