Freud, 1962, John Huston

Freud (1962)

Regie, Erzählstimme: John Huston; Drehbuch: Charles Kaufman, Wolfgang Reinhardt, Jean-Paul Sartre (ungenannt); Kamera: Douglas Slocombe; Musik: Jerry Goldsmith; Darsteller: Montgomery Clift, Susannah York, Larry Parks, Susan Kohner. David McCallum. 35mm, s/w, 140 min
 
John Hustons einziges biopic erzählt Schlüsselmomente von Sigmund Freuds Weg von der Zeit im Wiener AKH um 1885 bis zur ersten Formulierung des Ödipuskomplexes knapp vor der Jahrhundertwende als Entdeckungsreise ins Unbewusste. Keine Rekonstruktion, sondern eine kühne Verdichtung (ein überlanges Sartre-Drehbuch wurde radikal umgearbeitet, woraufhin der Philosoph seinen Namen zurückzog): In stilisierten Bildern und Hochkontrastfilm-Traumsequenzen vollzieht sich der Abstieg des relativ jungen Freud in die Tiefen der Seele als Noir-Wechselbad von Licht und Schatten. (Montgomery Clift war zu diesem Zeitpunkt schon gezeichnet von Unfall und Alkohol.) Der Begründer der Psychoanalyse als intellektueller Abenteurer und Seelenverwandter anderer Huston-Helden, die sich ihren Abgründen stellen und die Gesellschaft brüskieren. Ein verkanntes chef d'œuvre und Wendepunkt in Hustons Schaffen sowie Beginn der Reifeperiode eines Freigeists, der immer gewagtere Visionen verfolgt. (C.H.)

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