Bremer Freiheit, 1972, Rainer Werner Fassbinder

Bremer Freiheit (1972)

Regie, Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder nach seinem Theaterstück, Kamera: Dietrich Lohmann, Hans Schugg, Peter Weyrich, Darsteller: Margit Carstensen, Ulli Lommel, Walter Sedlmayr, Kurt Raab, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Lilo Pempeit. Digital (von Video), Farbe, 87 min
 
Für die zweite Verfilmung einer Bühnenarbeit fürs Fernsehen wählt Fassbinder ein eigenes Stück: Bremer Freiheit basiert auf dem wahren Fall der angesehenen Bürgersfrau Geesche Gottfried, die des fünfzehnfachen Giftmordes (u. a. an Vater, Mutter, Kindern und zwei Ehemännern) überführt und 1831 in der letzten öffentlichen Hinrichtung Bremens geköpft wurde. Fassbinder interessiert nicht der Kriminalfall, sondern das Motiv: Ein szenischer Bilderbogen entfaltet moritatenhaft die Vorgeschichten der Morde. Wie so viele Fassbinder-Frauen, die in den gesellschaftlichen Umständen gefangen sind, lehnt sich Geesche auf und greift zum Gift, um sich aus der Unterdrückung zu befreien und nicht länger des Mannes "Haustier" zu sein. Die Inszenierung ist sparsam, doch visionär: Hinter dem abstrakten, kargen Bühnenbild liefert eine riesige Videowand entmaterialisierte Projektionen – noch ein Gefängnis, das alles Leben umschließt. (C.H.)
 
Courtesy of SWR

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