Oh! Uomo (2004)

Ein Film von Yervant Gianikian und Angela Ricci Lucchi. 35mm, Farbe und sw, 71 min
 
Abschluss und Endpunkt der Trilogie zum Ersten Weltkrieg von Yervant Gianikian und Angela Ricci Lucchi, dem Ausnahme-Regieduo der archäologischen Found-Footage-Arbeit. Titel und Film evozieren Leonardo Da Vincis These, dass der Anblick menschliches Leidens Abkehr von der Gewalt bewirkt. Oh! Uomo ist eine Anthologie der schrecklichen Verletzungen, die moderne Kampfmittel in den menschlichen Körper einschreiben. Krieg ist der irrationale Grundzustand: Flieger kreisen am Himmel, geisterhafte Reiter galoppieren aufs Schlachtfeld, Priester bringen Opfer, unter den in Negativbildern gezeigten Offizieren ist pointierter Weise Benito Mussolini. Mit dem ersten Geschossfeuer wird die Welt vom Inferno verschlungen. Verlangsamungen und andere Effekten offenbaren flüchtige Gesten und Gesichtsausdrücke sowie die angeschlagene Materialität des Archivmaterials. Coda: Die Verstümmelten probieren glücklich ihre Prothesen an – J. Hoberman: "Der Mensch hat sich erfolgreich in Material verwandelt." (C.H.)