Programmarchiv

April | Mai 2017

Filmmuseum ist. Wege aus der Vergangenheit

Plakat "Der große Grant"
Im Andenken an Nikos Grigoriadis (1954–2017) und Charlie Schneller (1954–2017)

Wann war oder ist das Kino aussagekräftig in Bezug auf seine Gesellschaft und deren Träume? Immer? Nie? Manchmal? Ist es "politisch" zur Zeit seines Entstehens oder erst viele Jahrzehnte später? Braucht es dafür Komiker wie Totò, Hans Moser, Louis de Funès und W.C. Fields? Sind sie, die grantigen Publikumslieblinge, die eigentlichen Schriftsteller und Historiker ihrer Epoche? Oder brauchen wir auch jene, die (anders grantig und allein an der Kinomaschine) in Bewegtbildern dichten und damit Geschichte schreiben? Jene wie Jean-Luc Godard, dessen Gesamtwerkschau im Filmmuseum nun mit ihrer dritten und vorerst letzten Welle anbrandet.
 
Braucht Paula Wessely, um verständlich zu werden, Elfriede Jelinek als Gegenüber? Oder umgekehrt? Oder ist es schlicht so, dass die hiesigen Kultur- und Politik-Energien von 1935, 1955 und 1985 heute nur noch Schriftsteller und Historiker der älteren Generation interessieren? Sind die anderen, kommenden Gestalter der westlichen Gesellschaft schon längst abgeschnitten von solch historischer Reflexion? Sind sie also ganz erleichtert und befreit, auch vom Mandat einer substanziellen öffentlichen Auseinandersetzung, und schon bereit für die nächste Kraftprobe – diesmal jenseits der Sprache und jenseits der filmischen Rede?

Wie fühlt es sich an, im Jahr 1 der US-Präsidentschaft von Donald J. Trump (geboren im Jahr 1 nach Ende des Zweiten Weltkriegs) Filme zu sehen, die sich der Komik und Apokalyptik eben dieses Amtes widmen? – von Betty Boop for President und der kryptofaschistischen Fantasy-Komödie Gabriel Over the White House bis zum Geniestreich von Mike Judge: Idiocracy. Das aktuelle Kapitel der Utopie Film macht dieses Angebot.

Alexander Horwath

Dank Für ihre Hilfe bei der Realisierung des April/Mai-Programms danken wir:
Carmen Accaputo (Cineteca di Bologna); Antti Alanen, Juha Kindberg (KAVI – National Audiovisual Institute, Finland); Elena Beltrami (La Cineteca del Friuli); Jacqueline Blösch (Bundesarchiv-Filmarchiv); Mathias Bollinger (Deutsches Filminstitut – DIF); Nicole Brenez; Luisa Comencini (Fondazione Cineteca Italiana); Peter Da Rin (Swiss Films); Anna Dobringer, Aldijana Bećirović (Filmarchiv Austria); Ted Fendt; Rosaria Folcarelli (Istituto Luce – Cinecittà); Jean-Michel Frodon; Martin Gondre (Indie Sales); Heike Graßhoff (Central Film Verleih); Bernhard Groß; Lilach Guitar, Markus Kuhn (Schweizerische Botschaft); Brad Hirsch (NBC Universal); Christine Houard, Anne-Catherine Louvet (Institut français Paris); Diana Kluge (Deutsche Kinemathek); Gertrud Koch; Teresa Kovacs (Forschungsplattform Elfriede Jelinek); Varja Močnik, Darko Štrukelj (Slovenska kinoteka); Franz Novotny; Sabine Perthold; André Schäublin (Cinémathèque suisse); Jörg Schiffauer (ray Filmmagazin); Lynanne Schweighofer (Library of Congress); Norman Shetler (Gartenbaukino); Irene M. Suchy; Klaus Volkmer, Stephanie Hausmann, Gerhard Ullmann (Filmmuseum München); Todd Wiener, Steven K. Hill (UCLA Film & Television Archive); Antoinette Zwirchmayr

Filmtexte Alejandro Bachmann, Rui Hortênsio da Silva e Costa, Christoph Huber, Olaf Möller, Bert Rebhandl, Harry Tomicek