The Last Temptation of Christ

The Last Temptation of Christ (1988)

Regie: Martin Scorsese; Drehbuch: Paul Schrader nach dem Roman von Nikos Kazantzakis; Kamera: Michael Ballhaus; Musik: Peter Gabriel; Schnitt: Thelma Schoonmaker; Darsteller: Willem Dafoe, Harvey Keitel, Verna Bloom, Barbara Hershey, John Lurie, Harry Dean Stanton, David Bowie. Farbe, 164 min
 
Dass der Regisseur von Mean Streets einen Christus-Film plane, hielten viele Bewunderer für nicht mehr als ein skurriles Gerücht. Ähnlich verblüfft wurde zuvor schon der Hinweis geschluckt, Martin Scorsese habe Priester werden wollen und nur der Zufall aus ihm einen director gemacht. Hier nun der Film, der die scheinbaren und wirklichen Widersprüche auf einen Nenner vereint: asketisch ausgedörrtes Hollywoodmovie mit Stars, die Sätze wie „God gave me the easier job“ auf das Selbstverständlichste zum Besten geben - auf Amerikanisch. Auch ein Verweis auf den eigenen Kinokosmos: rasende Kamerafahrten, passioniertes Spiel. Und Bilder aus dem Fundus der Ikonografie: Bosch, Grünewald, Rembrandt, die Nazarener, die Maler der Renaissance. All dies Divergente ist nicht zur Herzblut-Lava geworden, die Scorsese erträumt haben mag - aber zum zerrissensten, also besten Film, den Amerika über Jesus hervorgebracht hat, der leidenschaftlich nicht Gott oder Opferlamm, sondern Mensch sein will. (H.T.)

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