The Memory of Justice

The Memory of Justice (1976)

Ein Film von Marcel Ophüls; Kamera: Michael Davis. Farbe und s/w, 279 min
 
Seine Filme seien wie Romane von Balzac, sagt Marcel Ophüls. Mit Sicherheit trifft dies auf sein wahrscheinlich wichtigstes Werk zu, seine monumentale Erzählung über die Nürnberger Prozesse und ihre Folgen. Die deutsche Fassung trägt den Titel „Nicht schuldig?“ - und das Fragezeichen ist Programm: Ophüls geht es in ­seiner „filmischen Wahrheitssuche nach den Wurzeln des Totalitarismus“ buchstäblich um die Konkretisierung von Haltungen, Begriffen, Perspektiven. Er geht aus von der Nürnberger Verhandlung 1945/46 mit den politisch und militärisch Verantwortlichen Nazi-Deutschlands und setzt den historischen Prozess faktenreich in Beziehung zur deutschen Gegenwart Mitte der 70er Jahre (und zu den Kriegsverbrechen in Vietnam und Algerien). Beharrlich stellt der Film die Frage, was Nürnberg bewirkt hat, und führt vor Augen, wie beispielhaft die einst gesetzten Normen sind. Darüber im Dialog ein Chor von Zeitzeugen: Täter, Opportunisten, Unverbesserliche; Klarsichtige und Widerständige. Unter vielen anderen: Karl Dönitz und Albert Speer; Telford Taylor, Beate und Serge Klarsfeld. Ein Meisterwerk. (C.W.)

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