Auf der Suche nach meinem Amerika

Auf der Suche nach meinem Amerika (1970)

Ein Film von Marcel Ophüls; Kamera: Nils-Peter Mahlau, Udo Franz. Farbe und s/w, 147 min
 
„Eine Reise nach 20 Jahren“, so der Untertitel des Films, und „Ich bin ein Emigrantenkind“, der erste Satz von Marcel Ophüls aus dem Off: Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die entspannte Passage, die zu Unrecht lediglich als Zwischenwerk im Ophüls’schen Œuvre gilt. Das vordergründig autobiografische Road movie - eine profunde und emotionsgeladene Analyse der amerikanischen Gesellschaft am Ende der Sixties - denkt gründlich über das Verhältnis von „Wahrheit“ und „Subjektivität“ im Kino nach. Die Ophüls’sche Suche geht zunächst von den Orten seines US-Exils aus, wo er als Jugendlicher auf der Flucht vor den Nazis von 1941 bis 1949 gelebt hat. Eine Fülle von bemerkenswert Gesprächs­willigen erscheint vor der Kamera, und im Zentrum der Debatten stehen My Lai, Milgram-Studien und Bürgerrechtsbewegung, ergo: das „Bild“ der USA. Wie mit den Interviewten - von Bobby Seale und Nicholas Ray bis zum Südstaaten-Redneck-Gouverneur Lester Maddox - verfährt Ophüls mit sich selbst vor der Kamera: höflich und schonungslos. Als Interviewer ist er diesmal ganz besonders das Objekt der filmischen Recherche. (C.W.)

Screening dates:

So 06.06.2010 20:30
(Dt./Engl. OmdU)