Der blaue Engel

Der blaue Engel (1930)

Regie: Josef von Sternberg; Drehbuch: R. Liebmann, K. Vollmöller, C. Zuckmayer, nach „Professor Unrat“ von Heinrich Mann; Kamera: Günther Rittau, Hans Schneeberger; Musik: Friedrich Hollaender; Darsteller: Marlene Dietrich, Emil Jannings, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers. s/w, 107 min, Dt. OF
 
Im Blauen Engel habe er die Erforschung des Tonfilms fortgesetzt, verkündet Sternberg. Die Erfahrungen Hollywoods, angewendet aufs UFA-Kino, das die expressionistische Verrenkung noch kaum verwunden hat. Der blaue Engel: ein deutscher Fall, deutscher Alptraum oder aber eine Kunstfigur über beides, so als würde eine Zeichnung von Grosz oder ein Gemälde von Dix mit sanfter, getragener Grausamkeit in einen jener forciert künstlichen Streifen Sternbergs verwandelt, die sich den Ellen der Moral entziehen und dem Rausch der Langsamkeit hingeben. Der Niedergang des germanischen Spießers (Tyrann, Bildungsbürger, Ordnungsfetischist, Professor in einer einzigen beleibt paranoiden Person), abgehandelt im schmuddeligen Paradies des Kabaretts, exekutiert durch die pure Sternberg-Erfindung Marlene D. und vorgetragen in einem karikierenden, ungerührten Filmstil, der, es lebe das Paradox, dennoch Mitleid und Schrecken zu entfachen weiß. (Harry Tomicek)

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