Vasilij ukin

22. Mai bis 1. Juni 2009
Als sich am 2. Oktober 1974 die Nachricht verbreitete, dass Vasilij Makarovič ukin im Alter von 45 Jahren
an einem Herzanfall verstorben war, stand für kurze Zeit ganz Moskau still. ukin - Schriftsteller, Schauspieler,
Regisseur - war die rarste Art von Filmemacher: der auteur als Volksheld. Jeder Sowjet-Bürger der 60er und 70er Jahre kannte ihn, seine Gestalt und seine Gestalten, und erkannte
sich darin. ukin erzählt von einfachen Menschen und deren schwierigen, manchmal traurigen oder auch bizarren
Lebenswegen: von Lastwagenfahrern und Studenten, von heimkehrenden Sträflingen, von Menschen des Hinterlandes und ihren Aus-
und Irrfahrten. Jeder von ihnen ist ein Melancholiker und Schwärmer, getrieben von innerer Unruhe, Einbildungskraft, Lebensdurst.
Geboren 1929 in einem Dorf im Altai, verlor ukin schon mit vier Jahren den Vater an den stalinistischen Terror.
Mit 14 begann für ihn eine Dekade des unsteten Wanderns von Beruf zu Beruf (in der Automobilindustrie, auf einer Kolchose,
bei der Marine, als Dorfschuldirektor), die 1954 mit dem Beginn seines Studiums an der Moskauer Filmhochschule endete. Michail
Romm gab ihm angeblich die Höchstnote bei der Aufnahmeprüfung, weil ihm die verquere Mischung aus Poesie und Aufmüpfigkeit
in ukins Auftreten gefiel. 1958 wurde zu seinem Durchbruchsjahr als Schauspieler und als Schriftsteller. Seine
erste von nur fünf abendfüllenden Regiearbeiten realisierte ukin 1963/64 mit ivet takoj paren' (Es lebt da so ein Bursche), sein größter Erfolg wurde sein letztes Werk, Kalina krasnaja (Roter Holunder, 1974), den angeblich Brenev persönlich vor der Zensur schützte, weil er das Ende seiner Privatvorführung durch einen
Tränenschleier sah.
Die Schau ist ein gemeinsames Projekt der Wiener Festwochen und des Filmmuseums. Die Bühnenproduktion "Schukschins Erzählungen"
des lettischen Regisseurs Alvis Hermanis ist bei den Festwochen von 17. bis 20. Mai zu sehen.

