Synecdoche, New York, 2008, Charlie Kaufman

Synecdoche, New York

Charlie Kaufman, US 2008; Drehbuch: Charlie Kaufman; Kamera: Frederick Elmes; Schnitt: Robert Frazen; Musik: Jon Brion; Darsteller*innen: Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Tom Noonan, Michelle Williams, Samantha Morton, Jennifer Jason Leigh, Emily Watson, Dianne Wiest. 35mm, Farbe, 123 min. Englisch
 
Ein angemessen größenwahnsinniges Regiedebüt über den überwältigenden Drang, angemessen größenwahnsinnige Kunst zu machen. Es beginnt in heiter-neurotischem Tonfall, mit beinahe unmerklichen Zeitsprüngen und beiläufig surrealen Scherzen: eine Reise in den Kopf eines (von Philip Seymour Hoffman vorzüglich verzweifelt verkörperten) Theaterregisseurs, der unter Todesängsten, seltsamen Zivilisationskrankheiten und bröckelndem Familienleben leidet. In einer Lagerhalle lässt er die Stadt Schenectady nachbauen, um das pralle Leben in all seinen Details einzufangen. Rasch beginnt die Kunst exponentiell über das Leben zu wuchern – wie die perfekte Landkarte in der Kurzgeschichte von Borges, die irgendwann das ganze Territorium bedeckt. Einfallstrunkenes Kaleidoskopkino als barockes Spiegelkabinett, in dem Horror und Satire untrennbar werden: verblüffend, zermürbend und in seiner Aufrichtigkeit und merkwürdig schillernden Monomanie zutiefst berührend. (C.H.)