Faust, 1926, Friedrich Wilhelm Murnau

Faust

Regie: Friedrich Wilhelm Murnau; Drehbuch: Hans Kyser; Kamera: Carl Hoffmann; Darsteller: Gösta Ekman, Emil Jannings, Camilla Horn, Wilhelm Dieterle, Hans Brausewetter. DE, 1926, 35mm, sw, ca. 114 min. Deutsche ZT
 
Mit Nosferatu und Der letzte Mann hat der deutsche Meisterregisseur F.W. Murnau Stummfilmgeschichte geschrieben und ist bereits am Sprung, es in Hollywood (mit Sunrise) weiter zu tun, als er sich mit dieser visuell berauschenden Interpretation des Faust-Stoffs von seinem Heimatland verabschiedet: Faust – eine deutsche Volkssage heißt sie mit Zusatztitel, wobei als literarische Inspirationen nicht nur die Versionen von Goethe und Marlowe, sondern auch ältere volkstümliche Überlieferungen dienten. Noch wichtiger aber ist Murnaus Bildersturm-Drang, der seinen Faust zu einer Apotheose und gleichzeitigen Überwindung des expressionistischen deutschen Kinos macht, deren dynamische Lichtspiele, phantastische Visionen und Hell-Dunkel-Effekte den Gemälden großer Meister um nichts nachstehen. Murnaus führender französischer Exeget Eric Rohmer, selbst unter anderem Regisseur ganz anderer Historienbilder, nennt Faust schlicht eine "visuelle Oper, in der die Inszenierung die Stelle der Partitur einnimmt". (C.H.)
 
Am Klavier: Elaine Loebenstein
In Anwesenheit von Norbert Pfaffenbichler