Greed, 1924, Erich von Stroheim

Greed

Regie: Erich von Stroheim; Drehbuch: Erich von Stroheim, June Mathis nach McTeague von Frank Norris; Kamera: William H. Daniels, Ben F. Reynolds, Ernest B. Schoedsack; Darsteller: Gibson Gowland, ZaSu Pitts, Chester Conklin. US, 1924, 35mm, sw, ca. 129 min. Englische ZT
 
Davor:
Empfang Erich von Stroheims in Wien Anonym. AT, 1948, 35mm, sw, 1 min. Deutsch
 
Bis auf den heutigen Tag ein Schlüssel zu Amerika und noch verstümmelt ein Film wie ein Berg. Ein zartes Mädchen wie ein viktorianisches Blütenblatt, ein Mann wie ein Bär mit Parzivalherz, der dritte im Bunde keck tänzelnd, feixend, aufgedreht, der Jahrmarktschreier-Cowboy vom Dienst: das amerikanische Trio par excellence. Liebend, überscharf zeichnet Stroheim den proletarischen Alltag und die Glücksbestrebungen seiner Held*innen, um sie danach den Mühlen der Zeit und den Versehrungen der Realität zu übergeben. Unerbittlich, beispielhaft wie ein Film-Denkmal: der Verfall von Liebe und Freundschaft, das Mürrischwerden der Gesichter, Sichausbreiten von Hass. Stroheims Meisterwerk ist zugleich Komödie, Tragödie, Travestie, grausames Melodram, allem zuvor ein kristallscharf gemeißelter Block aus gleichförmig distanzierten, rätselhaft ruhig und ungerührt bleibenden Bildern, die angetan sind, ein durch Schrecken und Mitleid gegangenes Verstehen auszulösen. Erkenne dich selbst. (H.T.)
 
Am Klavier: Elaine Loebenstein